Aus dem Alltag eines Sockentouristen


Bild: Jona Bauer / www.jugendfotos.de

Deutschland steht für Sauerkraut, die Schweiz hat ihren Käse und jeder Italiener, der anstelle einer Pizzeria einer anderen gastronomischen Beschäftigung nachgeht, wird von Touristen schief angeschaut. Die Messlatte der länderspezifischen Vorurteile ist in keinem Bereich so groß wie beim Essen. Dabei tut man sich dabei alles andere als einen Gefallen, wenn man mit dieser Einstellung ein Land erkunden möchte.

Neben der Entspannung und trauter touristischer Glückseeligkeit in einem internationalen Hotel mit europäischer Küche, entgeht den klassischen Urlaubern, die dem Komfort wegen grundsätzlich dicke, weiße Tennissocken in den Sandalen tragen (wir kennen sie alle!) zwischen organisiertem Ausflug in den Aquapark und zu den historischen Stätten längst vergangener Kulturen meist ein wichtiger Part der Kultur ihres Landes: Die kulinarischen Spezialitäten fernab der Hotelküche.

 Der beschwerliche Weg eines Klischee-Touristen

Auf den klassischen Klischee-Touristen lauern außerhalb seines Hotels mit Vollpension eine Menge Gefahren:

Die erste Sorge: Böse Welt


Bild: Victor Höller / www.jugendfotos.de

Die Welt da draußen ist böse. Ohne Reiseführer das Hotel zu verlassen erfordert erheblichen Mut. Als braver Bürger ist es viel zu gefährlich da draußen, immerhin wird man mit den Socken in den Sandalen sofort als reicher Tourist erkannt, den es auszurauben lohnt. Und dann noch die Orientierung in den dunklen Gassen Downtowns behalten? Niemals!

Die zweite Sorge: Geangelt werden

Hat man sich trotzdem aus dem Hotel getraut, folgt Sorge zwei. Zunächst sollte das Straßenbild in der typischen Mainstream-Touristen-Meile mit Fastfood-Buden nicht wirklich befremdlich wirken, doch will man wirklich leckere, einheimische Küche probieren, muss man sich schon weiter vom Hotel entfernen. Und schon wird man alle fünf Meter angesprochen. Viele Restaurants setzen auf „Angler“, die ihre Gäste damit gewinnen möchten, in dem sie so penetrant wir möglich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis der Stadt versprechen, in Wahrheit aber Wucherpreise verlangen –  Eine nette Faustregel erfahrener Reisender lautet deswegen: Ein Restaurant ist erst dann ein einheimisches Original, wenn die Speisekarte nur in der Landessprache verfasst ist!

In China essen Sie Hunde

Die dritte Sorge: Ein Koch ohne Schürze?


Bild: Ruben Elstner  / www.jugendfotos.de

Deutschland ist ein sehr hygienisches Land – deswegen sind die deutschen Mägen auch besonders rein. Geht es in einer Küche oder bei Ständen von Kindern mal nicht nach Magen-gewohnten Standards zu, kann das schnell den Urlaub versauen. Und wer möchte das schon riskieren? Dann lieber bei dem bleiben, das man kennt und nichts Neues probieren!

Die vierte Sorge: Was esse ich da?

Hat der Klischee-Tourist alle bisherigen Sorgen überwunden und sitzt nun in einem Restaurant mit einer einsprachigen Speisekarte, kommt das nächste Problem: Was bestelle ich nun? Immerhin versteht man ja nichts! Und gilt hier nicht Hund oder Meerschwein als Delikatesse? Schnell also nur einen Wein trinken, zahlen, und es mit etwas Glück noch zum Hotelbuffet schaffen…

Die fünfte Sorge: Abzocke

Wer an kulinarische Köstlichkeiten denkt, denkt meist unweigerlich auch mit einem weinenden Auge an seinen Geldbeutel.


Bild: Christian Wolf / www.jugendfotos.de

Hat man sich schon generell damit abgefunden, das bereits bezahlte und für absolut lohnenswert befundene Vollpensions-Menü sausen zu lassen, isst die Angst, am Ende des Restaurant-Essens einen saftigen Nachtisch in Form einer Wucherrechnung serviert zu bekommen stets mit. Tatsächlich gibt es in diesem Punkt teilweise Abweichungen zum deutschen Way of Use. Der einfachste Weg, das wirklich gute Essen auch in guter Erinnerung zu behalten ist, sich vorher intensiv mit dem Land, der Kultur und den Essmanieren zu informieren:

In einigen Ländern kostet es bereits, sein Essen an einem Tisch einzunehmen und bedient zu werden, zum Beispiel in einigen Regionen Italiens. Zusätzlich gilt es als typisch deutsche Tugend, bei einem Essen mit Freunden die Rechnung getrennt zu zahlen. Auch beim Trinkgeld gibt es internationale Unterschiede: Zehn bis 15 Prozent gelten in Europa als Trinkgeldstandart, in Dänemark zum Beispiel ist gar kein Trinkgeld üblich.

Trotzdem: Es lohnt sich. Und wie – denn auch die Liebe zu einem Land und einer ganzen Kultur geht durch eben den Magen!