Echt unecht: Mainau - so attraktiv wie Silikontitten

Entspannte und kostenlose Aussicht: Blick auf den Bodensee von Radolfzell
Entspannte und kostenlose Aussicht: Blick auf den Bodensee von Radolfzell

Fährt man vom Schwarzwald aus an den Bodensee, ist es ein bisschen so, als würde man durch eine Filmkulisse cruisen (okay, dank Schwarzwaldklinik im Glottertal und den Fallers in Neukirch tut man das ja wirklich). Und dennoch bietet unsere kleine, schnell improvisierte Tour mit einer Ausnahme alles andere als ein vorgeschriebenes und auswendig gelerntes Drehbuch. Hier fanden wir alles, was das überarbeitete, leicht genervte und überaus erholungsbedürftige Abenteuerherz begehrt. Nämlich: Aussichten, Natur, Kultur und Touri-Hochburgen – und das in nur 2 Tagen.

 

Spontanes "Einfach mal Tapeten-Wechseln"

Und so gerne ich Euch über meine schönen Erlebnisse des Lotenbach-Schluchten-Caches …

 

Durch die Lotenbachschlucht führt ein einfacher Multicache hindurch.

… dem leckeren Käffchen auf einem sensationellen Panorama-Parkplatz, einem Spontanbesuch der Festungsruine Hohentwiel und zum Abschluss einen tollen Abend mit anschließender Übernachtung bei Freunden berichten würde...

 

Traumhaftes Wetter, traumhafte Kulisse, traumhafter Kaffee - was will man mehr?

 

... das Erlebnis „Massen-Touri-Bewegung inklusiver Abzocke“ hat es mir besonders angetan. Die Rede ist von der Blumeninsel Mainau.

 

Senioren-Ballermann

Wie im künstlichen Dschungel - das Orchideenhaus auf der Mainau

Die Kultblumeninsel ist der Ballermann der Senioren möchte man meinen, zumindest, wenn man den ganzen Vorurteilen glaubt. Für uns beginnt der Besuch erst mal wenig erfreulich: Noch beim Recherchieren der Öffnungszeiten glauben wir unseren Augen kaum: 18 Euro Eintritt pro Person? Schnell ist beschlossene Sache, dass wir lieber bis 17 Uhr warten werden, um den Spättarif in Anspruch zu nehmen.

 

Entschleunigen schwer gemacht

Von wegen Entschleunigen - bei den Preisen bewegt sich mein Gemüt Richtung Tempo 180.
Von wegen Entschleunigen - bei den Preisen bewegt sich mein Gemüt Richtung Tempo 180.

Und so vertrödeln wir gemütlich den Tag in Radolfzell und in der Marienschlucht. Nach der ganzen Ruhe und Entspannung werden wir dann auf der Mainau erstmal gehetzt. „Na los, kommen Sie, wir schließen gleich!“ Hä? Jetzt schon? Gemeint war zwar nur die Kasse, aber dennoch lässt die rabiate Dame sich 9 Euro pro Nase und dann noch 4 Euro für den leider unvermeidbaren Parkplatz geben. Ob der nette Ratschlag auf dem Ticket „Einfach mal entschleunigen!“ wohl daher rührt? Ich bin angesichts dieser saftigen Preise zumindest schon auf dem Weg Richtung 180.

 

Schön und toll und überhaupt

Tulpenblüte auf der Mainau

Im Park selbst überwiegen tatsächlich Senioren und Kinder. Gleich am Eingang kann man sich wahlweise Rollstühle oder Bollerwägen ausleihen, um die wahrscheinlich größte Besuchergruppen komfortabel durch das Blumenmeer zu schieben. Das ist wirklich riesengroß und wunderschön angesichts der gerade vorherrschenden Tulpenblüte, den riesigen Gingko-Bäumen, der Orchideen und der vielen witzigen Pflanzen, von denen ich weder jemals zuvor gesehen noch gehört habe. Zwar ist das alles ganz toll anzusehen, doch irgendwie kann ich es nicht so wirklich toll finden.  Wahrscheinlich waren die vielen „echten“ Naturerlebnisse kurz zuvor einfach zu schön, um dieses gekünstelte und für meinen Geschmack viel zu tourimäßig aufgebaute Blumenparadies zu genießen. Nachdem wir die meiste Zeit im Schmetterlingshaus verbrachten und Hühnchen beobachteten (hihi, ja, wirklich! :-) ) spazierten wir noch gemütlich über die Mainau und sind – pünktlich zum aufkommenden Gewitter – fertig mit der Tour.

 

Echt unecht: Mainau - so attraktiv wie Silikontitten

 

Echt unecht: Mainau - so attraktiv wie Silikontitten

Nicht einmal zwei Stunden hat das gedauert, was wohl beweist: Wir haben anscheinend keinen Sinn für Blumeninseln wie die Mainau. Vielleicht sind wir einfach zu jung dafür, vielleicht auch zu alt, oder eventuell auch einfach zu antitouri drauf. Vielleicht fehlt uns auch einfach das Foto-Gen, denn schier jeder Besucher auf den wir treffen hat es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht, jede einzelne Tulpe einzeln und als Gruppenfoto für die Ewigkeit abzuknipsen. Diese ganze Soll-Pracht erinnert mich irgendwie an... ja an was denn? Eben: Silikontitten.