Wieder einmal hoch hinaus: Auf dem Noris- und Höhenglückssteig

Auf dem Klettersteig Höhenglückssteig in Hirschbach

Samstagmorgen im April. Ein gewisses Maß der Enttäuschung lässt sich nicht verbergen: So hatten wir uns das nicht unbedingt vorgestellt! Bereits in aller Frühe hatten wir uns auf den knapp dreistündigen Weg gemacht, um gleich zwei Klettersteige zu begehen - und dann irrten wir nicht nur zu neunt auf der Suche nach dem Einstieg des Norissteigs ewig durch den Wald, sondern erfahren von anderen Kletterern, dass der Norissteig nicht so unbedingt der Hit sei.

 

Kaum aufgewärmt, schon vorbei

Auf dem Klettersteig Höhenglückssteig in Hirschbach

Na toll. Dennoch geben wir nicht auf. Nach schier endloser Suche finden wir dann sogar den Norissteig, hüpfen in unsere Klettergurte und machen uns motiviert an den Berg. Nach den ersten Metern sind wir voll in unserem Element: Sicherung einhaken, den nächsten Schritt abwägen, die erste knifflige Passage - den Felsspalt hinunter - und dann? Dann war es das schon wieder.

Gerade als wir uns einigermaßen aufgewärmt und eingeklettert hatten, war die erste Passage schon vorbei. Zur Nächsten geht es erstmal via längerem Fußmarsch durch den Wald. Das ist für uns Wanderer zwar nicht wirklich ein Problem, aber da wir uns ursprünglich auf einem Klettersteig wähnten, sind die langen Fußmärsche zwischen den recht unspektakulären und nicht wirklich anspruchsvollen Kletterpassagen eher frustrierend.
Um es kurz zu machen: Den Norissteig, da waren wir uns alle einig, finden wir bunt gemischte Gruppe von Anfängern bis erfahrene Kletterer mit seinen überwiegend langweiligen, viel zu kurzen Abschnitten und weit auseinanderliegenden Passagen nicht empfehlenswert.

 

Mehr Glück am Hohenglückssteig

Auf dem Klettersteig Höhenglückssteig in Hirschbach

Glücklicherweise hatten wir ja noch einen weiteren Klettersteig auf unserer Liste, der es dann auch schaffte, unsere Ansprüche zu erfüllen. Der Höhenglückssteig zählt zu den anspruchsvollsten Klettersteigen in Deutschlands Mittelgebirgen, und macht schon allein auf den ersten Metern den Flopp Norissteig wieder wett. Mit einer bunten Mischung aus gefordertem Geschick und Taktik, tollen Aussichten, anspruchsvollen Abschnitten und teilweise echt kniffligen und kräftezehrenden und vor allem durchgehenden Passagen bietet der Höhenglückssteig ein abwechslungsreiches Klettererlebnis aus insgesamt drei Teilen.
Einige Schikanen wie beispielsweise das Weglassen einiger Eisentritte wurden angeblich absichtlich eingebaut, um die Schwierigkeit zu erhöhen. Macht aber nichts, zumindest nicht für mich, da ich ja praktischerweise ziemlich lange Beine habe. Und dann komme ich endlich nach langem Warten tatsächlich zu meinem persönlichen Ziel eines Klettersteigs: meine Grenzen.

 

Petrus-Prettl macht mich platt

Auf dem Klettersteig Höhenglückssteig in Hirschbach

Nach einem ziemlich kräftezehrenden Stück am Abschnitt "Petrus-Brettl" nach etwa zwei Dritteln des Steiges ist es deswegen auch vorbei für mich mit dem Klettern. Ein Muskel in meinem linken Oberarm hatte sich so verausgabt, dass er sich nicht mehr aus der Verkrampfung lösen mag. Vernünftig wie ich bin (*räusper*) muss ich also gezwungener Maßen von unten zusehen, wie der überwiegende Rest unserer Truppe weiter eine Hürde nach der nächsten erklimmt. Gerade diese Perspektive jedoch zeigt, dass es von unten als Zuschauer sehr viel spektakulärer aussieht, als von oben - ja geradezu gefährlich!

 

Von Specksteinen und Gegenverkehr - was irgendwie schade ist und warum sich der Höhenglückssteig dennoch lohnt

Auf dem Klettersteig Höhenglückssteig in Hirschbach

Einen so tollen Klettersteig wie meinen ersten werde ich wohl nicht noch einmal erleben - da der Salewa Klettersteig eben mein Erster war, lobe ich ihn wahrscheinlich über die Maßen, dass ich keinem anderen mehr die Chance einräume, besser sein zu können.

Den Norissteig kann ich jedoch überhaupt nicht empfehlen, auch nicht Familien mit Kindern, für die er angeblich sehr geeignet sein soll. Anders der Höhenglückssteig: Mal abgesehen davon, dass es nicht wirklich nachvolziebar ist, warum der Steig von zwei Seiten aus begangen werden darf und auch so ausgeschildert ist (etwas ungünstig, wenn in 25 Metern Höhe bei sehr instabilem Stand plötzlich Gegenverkehr kommt!) sowie von seiner echt überfrequentierten Kapazität (wir hatten permanent andere Klettergruppen vor der Nase) und der daraus resultierenden Abgegriffenheit der Felsen (was dem Ganzen einen gehörigen Abbruch in Sachen Klettervergnügen macht), war ich persönlich sehr angetan von ihm.

Bei den verschiedenen Schwierigkeitsstufen von Leicht bis D/E ist für jeden Geschmack was dabei. Auch praktisch und gewiss nicht zu missachten: Jede Passage kann umgangen werden, was nicht zuletzt für meinen lädierten Arm und mich ganz praktisch war. So hat sich  der erzwungene Perspektivwechsel immerhin für ein paar Bilder gelohnt.

 

Hinweis: Die offizielle Schreibweise des Höhenglückssteigs ist "Höhenglücksteig". Da ich ein Verfechter des Genitivs bin und es für mein Sprachverständnis irgendwie logischer erscheint (ich lese bei der offiziellen Schreibweise immer "Teig"), habe ich in diesem Bericht den Höhenglückssteig mit zwei s geschrieben ;)

Mehr Bilder vom Noris- und Höhenglückssteig