Cliffhanger

 Julia auf dem Salewa Klettersteig

Manchmal finde ich mich an Orten wieder, die ich selbst kaum glauben mag. In einem kleinen Blechboot auf dem Euphrat in Syrien zum Beispiel. Oder auf dem Gelände eines Atomkraftwerks. Oder mit millionenstarken Nachwuchsadligen in einer libanesischen Edeldisco. Manchmal hänge ich aber auch einfach nur so rum – wie jüngst in der letzten Septemberwoche des sowieso schon sehr skurrilen Jahres 2013.

 

Schweinehund im Nacken

 

 Der 1. Abschnitt von 3 des Salewa Klettersteigs

Nunja: Rumhängen ist in diesem Falle eher relativ. Genau genommen gilt es beim Salewa-Klettersteig in Hindelang / Oberjoch genau das zu vermeiden – immerhin geht es bei dem knapp über einem Kilometer langem Klettersteig am Iseler teilweise geradewegs 60 Meter in die Tiefe, was nicht nur eine ziemlich tolerante Schwindelfreiheit voraussetzt, sondern auch eine Menge Mut. Beides hatte unser munterer Trupp bestehend aus sechs Leuten plus Bergführer glücklicherweise mit im Gepäck. Und so kam es dann, dass wir wie eine Züchtung aus Kletteraffen und Gemsen mal eben so die nackten Felswände hoch- und runterkraxelten, großartige Aussichten genossen und - so ging es zumindest mir - des Öfteren gezwungen waren, den inneren Schweinehund mal ordentlich zusammen zu stauchen. Diese Mischung war es übrigens auch, die mich von Anfang bis Ende hat richtig dämlich grinsen lassen.

 

Geschafft: ein unbezahlbares Gefühl

 

 Der 3. Abschnitt von 3 des Salewa Klettersteigs

Von weitem aus betrachtet ist von dem Klettersteig an sich – der eigentlich ja nur aus einem Stahlseil besteht, welches die Richtung weist und das Leben sichern soll - kaum etwas zu sehen. Selbst unmittelbare Gruppenmitkletterer wirken, wenn man sich als einer der ersten in der Reihe nach ihnen umsieht, als hätte man sie in kleine Legomännchen verwandelt und einfach als Deko an den Fels geklebt. Dass das  Gefühl, dass es nur an einem selbst liegt, weiter zu kommen, nicht nur dem Körper, sondern vor allem den Geist zugute kommt, habe ich ja in meinem Bericht über einen Kletterkurs für psychisch Schwerstkranke bereits beschrieben. Dennoch ist es bei einem Klettersteig noch mal etwas anderes: Keiner da, der dich direkt sichert.

Alleine den schier unmöglichen Schritt über die Kante des Abgrunds zu wagen, mit Händen und Füßen nach Wegen zu suchen, welche von den Augen und vom Hirn als unmöglich eingestuft werden und nicht zuletzt das Gefühl auf dem Gipfel, als blanke Anfängertruppe insgesamt alle drei Teile des Klettersteigs inklusive Schwierigkeitsstufe C gemeistert zu haben – ist unbezahlbar (und kostet übrigens 65 Euro für den Bergführer und die Schutzausrüstung).

 

Facts:

Infos zum Salewa Klettersteig findet ihr hier: www.bergbahnen-hindelang-oberjoch.de

 

Bilder sagen mehr als Worte: Einige Kommentare zu den einzelnen Bildern konnte ich mir aber dennoch nicht verkneifen ;)