2 Wochen ohne

Bild: Nur hier, im jetzt, und nirgendwo sonst.

Kein Empfang und kein Internet im Urlaub – 14 Tage lang, das war der Plan. Nur vier SMS gestattete ich mir, obwohl ich vor lauter Whatsapp und Mails eigentlich gar keine SMS mehr verschicke. Im Urlaub gibt es sowieso wenig Gründe, ins Netz zu gehen. Zumindest geht mir das so. Dachte ich jedenfalls...

 

Ob das funktioniert hat? Nun… teilweise

 

Elektronische Nachricht 1 (SMS): Gut gelandet! Oder: Das Pflichtprogramm

 

Drei Stunden Flug, und dann auch noch mit einer Zwischenlandung – für einen Flugängstling der reinste Horror, auch wenn er nicht selbst im Flieger sitzt. Die 1. SMS war deswegen hoch versprochen und eingeplant und lautete noch am ersten Tag:

„Jassas! Gut gelandet, Flug prima, Gepäck heil angekommen, jetzt gehts mit Bus zum Hotel. Heiß hier, sonst kann ich noch nix sagen :) LG, J.“

 

Die Versuchung – WLAN überall!

Bild: Tobias Mittmann  www.jugendfotos.de, CC-Lizenz_by-nc
Bild: Tobias Mittmann / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz_by-nc

Normalerweise verbringe ich meine Urlaube ja immer irgendwo in der Pampa fernab jeglicher Zivilisation. Empfang oder gar Internet ist da glücklicherweise automatisch selten verfügbar, dass es einen aber schier verfolgen kann, hätte ich nie gedacht! Schon in der ersten Unterkunft bekommen wir mit dem Zimmerschlüssel das WLAN-Passwort in die Hand gedrückt – was für eine Versuchung! Noch bleibe ich aber hart: Mein Handy verweilt im Flugmodus, und das die nächsten 5 Tage. Allerdings ertappe ich mich in freien Minuten (z.B. als das Bad besetzt ist) mit dem Handy meiner Begleitung – zum 100. Mal die Fähren online abchecken – das kann doch nicht schaden…

 

Elektronische Nachricht 2 (SMS): Sorge um das Ringeltier

Nach knapp einer Woche plagen mich die Sorgen um das geliebte Ringeltier, welchem es vor meiner Abreise wieder schlechter ging (es hat Asthma und deswegen oft schwere Atembeschwerden). Die 2. SMS geht also unplanmäßig in den Pferdestall:

„Hallo! 38 Grad, geniales Meer, tolle Unterkünfte – einfach alles super hier! Mache mir nur Sorgen um Ringel… Wie geht’s ihm & Euch denn? Liebe Grüße, Julia“

Verpeilt wie ich bin, geht die SMS allerdings nicht raus, weil mein Handy noch immer im Flugmodus ist. Da ich eine Antwort erwarte, bleibt es nun auf Empfang.

 

Elektronische Nachricht (SMS): Die Arbeit meldet sich

Bild: Carolina Bäckström /www.jugendfotos.de, CC-Lizenz_by-nc
Bild: Carolina Bäckström /www.jugendfotos.de, CC-Lizenz_by-nc

Tja, das hätte ich mir denken können – vor der Abreise ging es bei der Arbeit wieder mal drunter und drüber, und dabei habe ich meine Abwesenheitsmeldung falsch geschrieben und behauptet, dass ich wieder in der Vergangenheit zurückkommen werde. Zumindest behauptet das mein Kollege per SMS. Ich ärgere mich sehr über mich selbst, antworte ihm aber schweren Herzens nicht. Für die Arbeit ist mein SMS-Kontingent wirklich nicht gedacht.

Allerdings ist das ja die ideale Steilvorlage, doch mal ins Internet zu gehen und die Abwesenheitsmeldung zu ändern. Und dann…

 

Elektronische Nachrichten en masse – Hilfe, so viele Emails!

 

… dann ging es richtig los! 16 private Emails ploppen auf, eine so uninteressant wie die nächste, nur irgendwelche Newsletter, hunderte Facebook-, Twitter- und Xingmails (die sich nur dann melden, wenn sie merken, dass ich mehrere Tage nicht bei ihnen aktiv war), Whatsapp-Textereien und so weiter. Während meine Begleitung per WLAN gerade eine Waschmaschine kauft, mache ich mich daran, alle unnötigen automatischen Nachrichten abzubestellen – ganz schön fitzelige Arbeit mit so einem kleinen Handy. Selber aktiv werden will ich aber nicht, deswegen sehe ich mein „Experiment“ auch nicht in Gefahr.

 

Elektronische Nachricht 3 (Wahtsapp): Hilfe, warum meldest du dich nicht???

 

Bild: So geht's auch - ein Youth Hostel droht mit WLAN-Abschaltung bei Regelmissachtung.
Bild: So geht's auch - ein Youth Hostel droht mit WLAN-Abschaltung bei Regelmissachtung.

Trotz Internetzugang liegt mein Handy ausschließlich im Flugmodus im Hotel herum. Ab und an wird es mal angeschaltet, um eventuelle Nachrichten zu checken, deswegen muss ich nach 8 Tagen auch unbedingt einer Freundin antworten, die sich große Sorgen macht und schon vier Nachrichten schrieb. Anscheinend habe ich ihr vergessen zu sagen, dass ich im Urlaub bin und sie macht sich große Sorgen, warum ich mich nicht melde und auch sonst nirgendwo erreichbar bin. Da kriege ich doch ein schlechtes Gewissen und schreibe zurück. Etwas ausführlicher als in einer SMS, drücke aber ein Auge zu und zähle es als solche.

 

Elektronische Nachricht 3 (Mail): Geburtstagsgrüße in die Heimat

Noch eine Nachricht, die eingeplant war: Eine Geburtstagsmail in die Heimat! Eigentlich sollte es ja eine SMS werden, aber wenn man schon mal Internet hat, kann man ja auch noch gleich umsonst schreiben und ein schönes Bild anhängen…

 

Elektronische Nachricht 4 (SMS): Ringel geht es schlecht!

Tja, und dann kam die traurige Nachricht, dass es Ringel richtig schlecht geht:

„Ringel hat heute morgen nur gehustet, konnte kaum fressen, gestern auf der Weide auch schon. Atmung ist sehr schlecht und pumpend. Würde den Tierarzt rufen – was meinst du?“

 

Bild: Ringel

Kann mir das arme Pony lebhaft vorstellen, so habe ich ihn leider schon oft erlebt. Ein einziges Häuflein Elend! Klar gebe ich mein Go für den Tierarzt und bin unglaublich dankbar, ihn in den besten Händen zu wissen! Mit diesem Akt ist allerdings mein Nachrichtenkontingent aufgebraucht – gerade jetzt! Das ist ein eindeutiger Notfall (zumindest für mich, es ging ja nicht um Leben und Tod aber hey, das Ringeltier…). Jedenfalls war Ringels Ungesundheit noch mehrmals Grund für einige Nachrichten (zur Abwechslung mal per Facebookchat – wenn man Internet hat, warum es dann nicht nutzen???) und damit auch mehr oder weniger mein das Experiment beendet. Oder gescheitert. Wie mans sieht.

 

Digital Detox light

 

Fazit: Mein Urlaub war viel zu toll, um sich viel mit der Netzwelt auseinanderzusetzen. Sogar als ich in steter Sorge um Ringel war, lag mein Handy ausschließlich immer im Hotel - wenn ich daran denke, dass ich eigentlich niemals ohne Handy das Haus verlasse, ein wahrer Vortschritt! Es war auch keine Quälerei, keine Nachrichten zu schreiben und zu empfangen. Selbst meinen Lieblingskanal Twitter habe ich nicht vermisst, was mich persönlich am meisten erstaunt. Einzig meine Lieblingsblogs hätte ich gerne mal reingeschaut, doch das habe ich mittlerweile nachgeholt. Schließlich vergisst das Web nie. Auch ganz praktisch, eigentlich!