Wenn Sprache keine Worte mehr braucht

Bild: Laura Hoffmann / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)
Bild: Laura Hoffmann / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Neulich erreichte mich eine erschreckende Nachricht. Naja, die Nachricht an sich war gar nicht erschreckend, im Gegenteil, vielmehr war es die Schreibweise dieser Nachricht, die mir schlagartig bewusst machte, wie sich das Sprachgefühl in letzter Zeit entwickelt: Die Nachricht war ein einziger Satz - bestehend ausschließlich aus Emojis.

Ohne Worte - oder doch nicht?

Ohne Worte - oder doch nicht?
Ohne Worte - oder doch nicht?

Na, habt ihr alles verstanden? Erstaunlich, nicht wahr? Was damals in SMS uns Mails mit einfachen Satzzeichenkombinationen wie :-) begann, machten Messenger wie Whatsapp in Rekordzeit salonfähig - und für viele unverzichtbar. Sogar einen weltweit gültigen Unicode gibt es für die Dinger. Nun gibt es ja auch böse Zungen, die behaupten, diese überwiegend putzigen Zeichen würden die Sprache massiv gefährden. Angesichts der Tatsache, dass mittlerweile schon Musiktexte in Musikvideos  und sogar Melvilles Roman Moby Dick ausschließlich mit Emojis "übersetzt" wurde zeigt, dass in der Tat der Siegeszug dieser nonverbalen Zeichen kaum aufzuhalten ist. Doch kann das wirklich der Sprache schaden? Hört man sich die Grammatik auf so manchem Pausenhof an, scheint bei vielen sowieso schon alles verloren zu sein - dass ein linguistisches Meisterwerk wie "Hey Mann Alta! Gibsch mir Kippe sonscht Fresse!" tatsächlich von einem Smilie-Überschuss rührt, wage ich doch sehr zu bezweifeln. Wenn man dank Messenger und Co. wieder mehr zum Schreiben kommt, fördert das ja eigentlich die Sprache auch ein bisschen. Warum also nicht über die Vorteile der Zeichen freuen?

 

Esperanto für alle

Sprache besteht aus Zeichen. Selten war das so deutlich.
Sprache besteht aus Zeichen. Selten war das so deutlich wie zur heutigen Zeit, in der die Smilies sogar einen weltweit gültigen Unicode haben.

Ich persönlich finde diese neue Art der Kommunikation nämlich gar nicht so schlecht. Die vielen bunten Zeichen versteht man nämlich so gut wie immer, egal ob man auf Japanisch, Spanisch, Hebräisch oder Tigrinia chattet. Gerade bei meiner Arbeit mit Flüchtlingen fällt mir das auf. Emojis machen alles einfach irgendwie lockerer und lassen eine komplizierte Grammatik-Korrektur gleich viel harmloser erscheinen (ich stehe für den Deutschunterricht als Whatsapp-Nachilfelehrerin für kurze Fragen bereit). Das Ganze macht natürlich nur dort Sinn, wo man die hübschen Dinger auch einsetzen kann: Also in Chats, Webtexten und Co. Für das echte Leben gibt es ja zum Glück noch die menschliche Mimik.

Emojis sind also quasi so etwas wie ein rein schriftliches Esperanto für Doofis wie mich. 0:-)

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