Willkommen! - Lieber nicht...

Zuwanderung: Ja oder Nein? Deutsche unschlüssig

Bild: Jennifer-Saalfrank / www.jugendfotos.de
Bild: Jennifer-Saalfrank / www.jugendfotos.de

Die einer von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebene Umfrage zeigt: Deutschland hat in Sachen Willkommenskultur schlecht abgeschnitten. Lichtblick: Jüngere sehen Zuwanderung positiver.

Die Deutschen haben eine widersprüchliche Haltung zur Zuwanderung. Zwar halten sie Deutschland für eines der weltweit attraktivsten Einwanderungsländer, sie selbst allerdings stehen Zuwanderung kritisch gegenüber. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. "Deutschland unterschätzt die Bedeutung einer Willkommenskultur und überschätzt seine Attraktivität als Einwanderungsland", sagte Ulrich Kober, Integrationsexperte der Bertelsmann Stiftung, zu den Ergebnissen.

 

Jungendliche: Integration macht kaum Probleme in der Schule

 

Bild: Johannes-Ammon / www.jugendfotos.de
Bild: Johannes-Ammon / www.jugendfotos.de

Hoffnung auf eine ausgeprägtere Willkommenskultur gibt die deutlich positivere Haltung der jungen Generation gegenüber Zuwanderung. Für die Befragten unter 29 Jahren überwiegen die Vorteile von Zuwanderung. Sie schätzen die Leistungen der bereits länger in Deutschland lebenden Zuwanderer höher ein und sind mehrheitlich für erleichterte Einbürgerungen und Gesetze gegen Benachteiligung von Zuwanderern. Auch in der Bewertung, ob Zuwanderung Probleme in der Schule verursache, unterscheidet sich die Altersgruppe 14 bis 29 erheblich von den über 60-Jährigen: Während die Älteren schulische Integration als den negativsten Aspekt von Zuwanderung überhaupt sehen (74 Prozent), ist es für die Jüngeren ein untergeordnetes Problemfeld (46 Prozent).

 

Zuwanderung - postiv oder negativ für Deutschland?

 

Bild: Clara N. / www.jugendfotos.de
Bild: Clara N. / www.jugendfotos.de

Anders als die junge Generation ist die Gesamtbevölkerung in der Frage, ob Zuwanderung Deutschland nutzt oder schadet, hin- und hergerissen und damit deutlich skeptischer.

Auf der einen Seite befördert Zuwanderung für sieben von zehn Befragten die Ansiedlung internationaler Firmen und macht das Leben in Deutschland interessanter.

62 Prozent der Bürger sehen Vorteile darin, dass Zuwanderung die Überalterung der Gesellschaft mindere. Jeder Zweite erachtet Zuwanderung als wirksames Mittel gegen Fachkräftemangel. Demgegenüber sind jedoch knapp zwei Drittel der Bürger der Auffassung, Zuwanderung führe zu zusätzlichen Belastungen in den sozialen Sicherungssystemen, zu Konflikten mit Einheimischen und zu Problemen in den Schulen.

 

Jeder 2. Deutsche meint: Zuwanderer werden nicht freundlich aufgenommen

 

Bild: Philipp Linstädter / www.jugendfotos.de
Bild: Philipp Linstädter / www.jugendfotos.de

Nur jeder zweite Deutsche glaubt zudem, dass Zuwanderer vor Ort eine freundliche Aufnahme erfahren.

Der Willkommenskultur stellen die Befragten damit ein eher schlechtes Zeugnis aus. Das steht in erheblichem Widerspruch zu der Einschätzung, Deutschland sei ein besonders attraktives Zielland für qualifizierte Zuwanderer.

Auf die Frage nach den drei attraktivsten Einwanderungsländern nennen die Befragten außer Deutschland (56 Prozent) nur die USA (44) annähernd ähnlich häufig, mit großem Abstand folgen Frankreich (15), Schweiz, Schweden und Kanada (alle 14).

"Die sehr geringe Resonanz auf Green Card und Blue Card spricht eine andere Sprache: De facto wird Deutschland von Hochqualifizierten aus Nicht-EU-Ländern gemieden", sagte Kober, der sich für eine größere Offenheit der Bevölkerung aussprach: "Ohne Offenheit sind wir nicht attraktiv für qualifizierte Zuwanderer, die wir allein aufgrund der demographischen Entwicklung dringend brauchen."

 

Einbürgerung soll nicht erleichtert werden

 

Maßnahmen zu formaler Gleichstellung von Zuwanderern stehen die Bürger überwiegend ablehnend gegenüber. Weniger als jeder Zweite spricht sich in der Umfrage dafür aus, die Einbürgerung zu erleichtern, doppelte Staatsbürgerschaft zu ermöglichen und Anti-Diskriminierungsgesetze zu verschärfen. Kober: "Obwohl Deutschland bei der formalen Gleichstellung Nachholbedarf gegenüber allen klassischen Einwanderungsländern hat, sehen die Deutschen Handlungsbedarf eher bei weichen Themen."

Bild: Fabian Müller / www.jugendfotos.de
Bild: Fabian Müller / www.jugendfotos.de

So vertreten 70 Prozent die Auffassung, dass mehr für Toleranz und Achtung gegenüber Einwanderern getan werden müssen.

Nur jeder Fünfte hält Toleranz und Umgang mit Vielfalt für ausreichend in den Schulen verankert. Um die Lebensbedingungen für Zuwanderer attraktiver zu gestalten, sollte es nach Ansicht der Mehrheit der Befragten mehr Angebote von Sprachkursen und Sprachförderung von Kindern, eine bessere Anerkennung von Berufsabschlüssen, mehr Unterstützung vor Ort und erleichterten Zuzug von Familien geben.

Als zu gering bewertet wird die Zahl von Zuwanderern mit Jobs in öffentlichen Einrichtungen: Nur rund ein Viertel der Befragten sieht Menschen mit Migrationshintergrund in Polizei, Kita, Schule und Behörden angemessen vertreten.


Quelle: Bertelsmann Stifung
Die Ergebnisse beruhen auf einer bundesweiten Befragung durch TNS Emnid Politik- und Sozialforschung, Bielefeld, im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Befragt wurden 1.002 Personen der bundesdeutschen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren in einer Telefonbefragung (CATI ad hoc). Befragungszeitraum war der 12.10. bis 20.10.2012.

 

Thementage: Integration

Bild: Jan Henrik Dobers / www.jugendfotos.de
Bild: Jan Henrik Dobers / www.jugendfotos.de

Alle Bundesbürger sind deutsch, nur manche sind deutscher?

Um diese Frage ging es bei den Thementagen: Integration. Nach vielen Schilderungen und Diskussionen wagen wir ein persönliches Fazit, verbunden mit einem großen Dankeschön an alle Beteiligten!

mehr

Neues Leben oder Zwischenstation?

Bild: Inessa Podushko / www.pixelio.de
Bild: Inessa Podushko / www.pixelio.de

Bei der Integration kommt es darauf an, wie gut man sich ein Leben in der Fremde vorstellen kann - und wie man das Fremde in Heimat verwandelt.

Farid Gambar kam mit 13 Jahren nach Deutschland und meint: Integration macht nur Sinn, wenn man bleiben will.

mehr

Foreigner - Forever

Bild: Maria Bock / www.jugendfotos.de
Bild: Maria Bock / www.jugendfotos.de

Ihr Name ist ausländisch, ihr Aussehen und ihre Familie ebenso. Ihre deutsche Aussprache ist tadellos und auch sonst verhält sie sich nicht anders als ihre deutschen Mitschülerinnen.

Egzona Hyseni lässt für unsere Thementage: Integration ihre Gedanken schweifen und stellt sich der Frage: Muss man einen Menschen auf die Herkunft herunterbrechen um ihn zu akzeptieren?

mehr

Kommst hier net rein!

Bild: Brecht Soenen / www.jugendfotos.de
Bild: Brecht Soenen / www.jugendfotos.de

Auch wenn sich Sport ideal zum gegenseitigen Kennenlernen anbietet, stoßen viele Fitnessinteressierte mit Migrationshintergrund vor verschlossenen Türen.

Ausländer sind in Fitnessstudios unerwünscht und sollen unter anderem von hohen Anmeldegebühren abgeschreckt werden. Erfahrungen von Alper Aslan. 

mehr

Sport als Integrationsmodell

Bild: Julia Becker
Bild: Julia Becker

Sie haben sich wirklich gut integriert – es hat nur keiner gemerkt. Wie der Turn- uns Sportverein Metzingen mit einem Sportkurs versucht, Brücken zu bauen, obwohl beide Gruppen auf der gleichen Seite stehen. Und das mit vollem Erfolg!

Trotzdem existiert "Sport für Frauen aus aller Welt" in erster Linie nicht, weil die Frauen anders sind - sondern eben gleich.

mehr

Deutschlands nicht vorhandene Willkommenskultur

Bild: Jennifer-Saalfrank / www.jugendfotos.de
Bild: Jennifer-Saalfrank / www.jugendfotos.de

Was wollt ihr denn hier? Deutschland hält sich zwar für eines der attraktivsten Einwanderungsländer, steht aber Zuwanderung kritisch gegenüber.

Wer versucht in unserem Land Fuß zu fassen, hat es deshalb nicht leicht, so eine Studie über die deutsche Willkommenskultur, welche von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht wurde.

mehr

Neben- statt Miteinander?

Bild: Ariana Dima / www.jugendfotos.de
Bild: Ariana Dima / www.jugendfotos.de

Hazal ist Deutsche mit türkischen Wurzeln. Sie ist nicht wirklich anders, aber auch nicht wirklich gleich wie ihre Mitschülerinnen.

Mit Laura Ilg hat sie über ihr Gefühl, in einer Parallelwelt zu leben, gesprochen.

mehr