Seit einem Jahr (fast) konsumfrei

Interview mit Jane Aire


Bild: Stephan Kaps / www.jugendfotos.de

Eine Woche ohne Geld ist gar nicht so schwer, wenn man die ersten Tage wirklich durchhält und nicht zurück in das Raster eines "Shopping-Victims" zurückfällt. Was ich in meinem buy nothing-Experiment sieben Tage lang durchzog – nämlich komplett auf Geld zu verzichten – ist für Jane Aire* mit wenigen Ausnahmen seit ganzen elf Monaten Routine.

Warum es zu diesem Entschluss kam und vor allem, wie man ein konsumfreies Leben meistert ohne verrückt zu werden, hat Jane mir in diesem Interview verraten.  


Du hast dir vorgenommen, ab Januar 2012 nichts mehr zu kaufen, außer Lebensmitteln. Wieso?


Ich habe schon früher "Verzichtjahre" gemacht. Mal habe ich auf Fleisch, mal auf Alkohol verzichtet. Die Erfahrung zeigte mir, es ist keine große Herausforderung sondern nur bewusster Umgang mit einem Gut. Es soll keine Qual sein, sondern eine Selbsterfahrung.
Als vor fast einem Jahr der Jahreswechsel näher rückte, kam die Idee etwas neues zu machen. Da ich schon lange konsumbewusst lebe, war nun die Überlegung, mal konsumfrei zu leben.


Wann hättest du das erste Mal am liebsten alles hingeschmissen?



Bild: Sascha Reutzen / www.jugendfotos.de

An einen genauen Tag kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber immer dann, wenn man eh schon müde und erschöpft ist, hat man natürlich wenig Lust, nochmal zum Biomarkt loszustiefeln.
Tendentiell hat mir die Biolebensmittel-Beschaffung aber größere Probleme bereitet, als das "Kaputte ersetzten". Entweder hab ich improvisiert wenn etwas kaputt gegangen ist, hab es mir ertauscht oder in einem Secondhandladen gekauft.

In wiefern verändert sich der Tagesablauf, wenn man nichts Neues mehr einkauft?


Also für die Biolebensmittel muss ich fast doppelt so weit laufen, wie zum konventionellen Supermarkt. Dementsprechend musste ich dafür mehr Zeit einplanen. Was das Konsumshoppen angeht, so geht es um bewusstes Handeln. Nicht mehr alles was man schön findet muss man kaufen. Es kann auch Spaß machen nur zu schauen. Ganz besonders freut mich mittlerweile die Erkenntnis in einem Laden die lautet: "Das brauch ich alles gar nicht!"

Ein Stück Kuchen im Café, ein Geburtstagsgeschenk für die beste Freundin und das Superschnäppchen schlechthin im Schuhladen. Da ist es nicht immer leicht zu widerstehen, oder? Wie gehst du damit um?



Bild: Anna Hujber / www.jugendfotos.de

Viele Geschenke wurden im letzten Jahr ertauscht. Familienmitglieder, die nichts von Secondhandware halten, hab ich dann zu einem selbstgekochten Abendessen eingeladen.
Was den Cafébesuch angeht, so habe ich den irgendwann zum Luxus erklärt. Natürlich kann man sich auch zuhause treffen, aber manchmal ist das eben nicht dasselbe. Vor einiger Zeit hat ein Café in der Nähe aufgemacht, bei dem ich weiß, dass die Besitzerin auch drauf achtet so viel Bio wie möglich zu verwenden. Das finde ich einen guten Kompromiss.

Was kannst du Nachahmern empfehlen?


Macht euch nicht verrückt. Es ist toll wenn ihr bewusst lebt, aber quält euch nicht. Es bringt niemandem etwas, wenn ihr verbittert werdet und hinschmeißt. Lieber sich ab und zu mal das Leben leichter machen und "sündigen" statt das Projekt nach wenigen Tagen abzubrechen.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

*Jane Aire ist der Benutzername der Inteviewten auf dem Umweltportal Utopia