Wer hat die Haselnuss geklaut?

Ein leeres Supermarktregal. Wann bekommt man sowas noch zu Gesicht?
Ein leeres Supermarktregal. Wann bekommt man sowas noch zu Gesicht?

Gold war gestern - heute wird in Haselnüsse investiert! Genau das könnte man angesichts der leicht panischen Hamsterkäufe genau dieser Nussart durchaus annehmen. Achwas, viel schlimmer! Wir nähern uns einer Haselnuss-Hungersnot! Milliarden Plätzchen sind dieses Jahr bereits ohne diese köstliche Zutat in die Röhre geschoben worden, die Bild-Zeitung titelte mit "Wird jetzt unser Nutella knapp?" und die Mitteldeutsche Zeitung spricht gar von einer Haselnusskrise.

 

Wenn die Supermarktgewohnheit aus den Fugen gerät

In der Tat - das kann man derzeit vielerorts nachprüfen - bleiben in vielen Supermärkten die Haselnussregale leer. "Produkt zur Zeit leider nicht verfügbar" und Ähnliches steht teilweise als Erklärung mit dabei. Dort, wo es das begehrte Stück noch gibt, kostet es plötzlich das vierfache als noch vor wenigen Wochen. Was daran so schlimm ist?

Bild: Joy Donath / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)
Bild: Joy Donath / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Das schöne Wort "Haselnusskrise" beschreibt ziemlich gut, wie Menschen und Wirtschaft ticken.  Wir scheinen uns ja für alle Naturkatastrophen der Welt zu interessieren, solange sie weit genug weg sind. Tsunami, Erdbeben und Co.? Kann man ja spenden. Klimaerwärmung? Wird ja viel zu wichtig genommen und bestimmt schon was dagegen getan. Aussterbende Völker, Pflanzen und Tierarten? So ist eben der Lauf der Natur. Hagelstürme? Da hilft man sich auch mal gegenseitig. Aber Haselnuss-Hungersnöte? Da ist sich jeder selbst der Nächste!

 

Keine Haselnüsse für Aschenbrödel

Der Konsument übt sich in Hamsterkäufen. Denn: In einem Wohlstandsland wie dem Unserem hat es einfach keine leeren Regale im Supermarkt zu geben! Da hat gefälligst alles zu superbilligen Schnäppchenpreisen parat zu liegen, und zwar genau dann, wenn ich es will! Warum die Regale leer sind, ist da nur zweitrangig. Die Ursache der ganzen Aufregung: Im wichtigsten Haselnuss-Importland Türkei zerstörten Unwetter und Frost im Frühjahr einen Großteil der Haselnussblüten. Nun wird die begehrte Frucht gerade doppelt so teuer gehandelt wie üblich. Die Süßigkeitenhersteller auf Haselnussbasis wie Manner, Hanuta oder eben Nutella drohen damit, teurer zu werden. Die Medien verbreiten mit "So kommen Sie ohne Haselnüsse durch die Weihnachtszeit" auch nicht unbedingt Gelassenheit. Alles deutet scheinbar auf das Unvermeidliche hin: Diese Haselnussknappheit ist eine Katastrophe!

 

Der Preis des Preises

Plätzchenbäckerei geht auch ohne Haselnüsse. Einmal. Ausnahmsweise.
Plätzchenbäckerei geht auch ohne Haselnüsse. Einmal. Ausnahmsweise.

Zum Glück nur für den konsumgetriebenen Schnäppchenjäger. Alle anderen haben sich längst erkundigt: Auch diese Krise geht vorbei. Und das Gute daran: Diejenigen, die von der "Katastrophe" am meisten betroffen sind, nämlich die türkischen Bauern, konnten durch eben die teureren Preise ihren Lebensstandart (angeblich) halten und wurden nicht in den Ruin getrieben. Kein Wunder: Erstens fielen wegen der geringen Ernteerträge weniger Lohnzahlungen an, zweitens basiert die Arbeit dort zu großen Teilen auf Kinderarbeit.

 

Irgendwer muss für die Schnäppchenpreise ja auch zahlen.