Ökotraum


Bild: Julia Becker

Es begann auf einer Grillparty. Wie das auf Grillpartys nun mal so ist, war auch hier jeder Gast aufgerufen, etwas zum allgemeinen leiblichen Wohl beizutragen. Meine Aufgabe kam aus der Kategorie Nachtisch. Ich entschied mich der Köstlichkeit wegen für die Erschaffung eines sogenannten „Himbeertraums“, eine sehr beliebte und schnell hergestellte Nachspeise, die für viele Personen ideal ist. Das grobe Gerüst besteht aus eifreiem Biskuit, Himbeerlikör, Himbeeren und viel, viel (Soja-) Sahne.

 

Und dann kam die Deko…

Ja, und dann kam die Dekoration des Ganzen. Auch wenn sich viele vielleicht Zuckerstreußel oder Marzipanherzen vorstellen könnten, entschied ich mich für die günstigere Variante und spazierte einfach in den Garten. Hier wachsen zu dieser Grillpartyjahreszeit ideale Deko-Kräuter: Kriechender Günsel, Hederich, die purpurrote Taubnessel, das wilde Stiefmütterchen und so weiter. Aufgrund dieser wunderhübsch aussehenden und auch lecker schmeckenden Auswahl war der Himbeertraum eine wahre Augenweide, oder?

 

Angst vor Öko


Bild: Julia Becker

Tja, es kam, wie es kommen musste: Der Nachtisch wurde müde als Ökotraum belächelt und ich hatte zumindest anfänglich sehr viel Himbeertraum für mich alleine. Zu groß war die Angst vor den Wildkräutern. Immerhin hätten die ja giftig sein können, mit einem Fuchsbandwurm befallen, oder, freilich nicht zu unterschätzen, könne man sich mit dem ungewohnten Geschmack ja den Magen verderben. Ich fand die Sorgen der Partygäste wirklich witzig, und als sich die Ersten dann erst einmal trauten, sich zumindest an die zwei bekannten Sorten heranzutrauen (das liebe kleine Gänseblümchen und der Löwenzahn) kam eine wilde Diskussion über Sinn und Unsinn von Angst vor dem natürlichsten überhaupt auf.


Peinlich, peinlich…

Nachdem die Verköstiger meines Nachtisches wider erwarten nicht tot vom Stuhl fielen, war der Himbeertraum ruckzuck ratzputz leer. Ist die Generation 20 plus wirklich auch schon so Supermarkt-verwöhnt? Jaja, Oma Eins macht noch jedes Jahr Marmelade selber und Tante und Onkel Zwei bauen doch tatsächlich noch eigenes Gemüse im Garten an, aber wir, wir kennen uns so gar nicht mehr damit aus, mit dem Selbstgemachten – zumindest ein Großteil. Zu einfach ist der Gang ins Feinkostregal und leider wahr, haben es die Dumpingpreise auch tatsächlich geschafft, teilweise günstiger zu sein als selbst gemacht, vom Arbeitsaufwand mal ganz zu schweigen.

So kommt es wohl dazu, dass der Konservierungs- und Düngemittelverpestete Wohlstandsmagen sich bei abgepackten Massenwaren sehr viel besser fühlt. Weil man sich über die Herkunft keine Gedanken machen muss. Ein bisschen so, wie man lieber nicht darüber nachdenkt, wie sein Steak aus dem Stall ins Kühlregal kam.


Tipps zum leichten Nachmachen:


Bild: Julia Becker

Einfach ausprobieren! Im Internet gibt es viele köstliche Rezepte zum selber machen. Bei mir im Vorratskämmerlein warten unter anderem noch selbst getrocknete Kräuter, Bärlauchpesto, Pflaumen- und Apfelmus, Löwenzahn- und Holunderblütensirup sowie diverse Marmeladen auf den Verzehr, zudem gibt es im alkoholischen Bereich sehr leckeren Lowenzahnschnaps und Rumfrüchte. Die Rezepte rücke ich gerne raus, die hat aber auch das Internet. Also: Keine Angst haben, loslegen! Es macht Spaß!