Man nennt mich: Löwenzahnkönigin

Von Brennessel über den Spitzwegerich bis zum Gänseblümchen - mein Garten ist ein Kräutergarten.

„Schau mal Hubert, da geht dieses Hippie-Rotkäppchen wieder in den Garten und sammelt Unkraut!“ – Genau so könnten gerade im Frühjahr meine Nachbarn hinter ihren spießigen Vorhängen klingen. Zum Glück habe ich keine spießigen Nachbarn (und die keine so spießigen Vorhänge), weswegen mir lediglich der Runninggag unseres ehemaligen Nachbarsjungen im Kopf habe, wenn ich mit Schere und Schüssel bewaffnet in den Garten gehe. „Warum pflückst du das denn im Garten, wenn es das auch einfach im Supermarkt zu kaufen gibt?“. Nun ja – ein bisschen vermisse ich den frechen Knirps schon (hat er doch so viele meiner Kolumnen bereichert :) ...)

 

In den Topf kommt alles, was der Garten hergibt

Highlight des Frühlings: Bärlauch in allen möglichen Variationen!
Highlight des Frühlings: Bärlauch in allen möglichen Variationen!

Jedenfalls findet man mich in diesem besonders schönen Frühling tatsächlich besonders oft im Garten. Da ich aus Zeitgründen meistens im Dunkeln dorthin marschiere, setzen Nachbarn und Co. diesem Tun noch eine Krone auf und nennen mich scherzhaft "Löwenzahnkönigin" - ein Begriff den ich eigentlich ganz putzig finde. Dieses Jahr, so habe ich es mir vorgenommen, wird sehr viel selbst gemacht! Und zwar so Dinge, die man sonst nie hat. Löwenzahnblütensirup oder Löwenzahnmarmelade zum Beispiel (Löwenzahn ist so unglaublich vielfältig, das glaubt ihr gar nicht!). Oder Rhabarbersirup. Kräuterbutter oder -Smoothies. Und natürlich alles, was nur irgendwie ansatzweise mit Bärlauch zu tun hat.

 

Entspannung durch natürlichen Stress

Löwenzahnblütenernte
Gelbe Finger garantiert: Bei der Löwenzahnblütenernte

Warum? Nun, weil es lecker ist. Und vielleicht auch gesund. Aber hauptsächlich, weil es unglaublich entspannend ist, sich von der Natur unter Druck setzen zu lassen! Sie schafft es, gleichzeitig jeglichen Stress von der Arbeit sowie die innere Trägheit rasend schnell zu vertreiben – denn was ich heute nicht besorge, ist morgen verblüht, dem Mäher zum Opfer gefallen (nicht noch einmal lasse ich zu, dass der Nachbar mir den Kriechenden Günsel zermäht!) oder gar verhagelt, wie die gesamte Apfelernte letztes Jahr. Ja, und dann ist das Gejammer wieder groß, ich kenn mich doch. So habe ich schon jetzt (trotz enorm viel Arbeit und Freizeitstress) mehrere Liter Sirup und einen stattlichen Vorrat an Bärlauchvariationen aller Art gebunkert.

 

Teurer, umständlicher und zeitraubend - ich bin doch nicht blöd

Esoteriker nennen diesen inneren Antrieb wohl „Im Einklang mit der Natur sein zu wollen“, ich nenne es einfach mal pragmatisch „wär ja blöd, wenn ich das nicht mache!“. Auch wenn klein Sebastian und vielleicht auch die Nachbarn sich wundern, warum ich mir diesen Act gebe – sollen sie doch alles im Supermarkt kaufen…

 

Holunder blüht - Rezept gesucht!

Der Holunder steht schon in den Startlöchern - jemand Rezepte für mich?
Der Holunder steht schon in den Startlöchern - jemand Rezepte für mich?

Jetzt geht übrigens bald die Holunderblütensaison in die heiße Phase – und ich bin dabei! Ihr auch? Klar, es gibt Sirup, Gelee und mindestens ein Mal Holunderpfannenkuchen - doch was gibts noch mit dieser Zutat zu entdecken? Ich freue mich auf Eure Rezepte!

 

 

 

Lesetipp: Ökotraum

PS: Die Angst vor Selbstgemachtem: Selbst gekauft ist für die Pestizid-verseuchte Wohlstandspsyche besser zu verdauen als Nahrungsmittel aus freier Natur, wie die Geschichte dieses Nachtisches beweist.

 

Lecker Ökotraum! Aber Achtung: giftig!
Lecker Ökotraum! Aber Achtung: giftig!