Vorgestellt: More than Shelters

More than Shelters setzt mit dem Zeltmodul Domo auf humanitäre Architektur
Bild: More than Shelters

Kann ein Flüchtlingslager ein Zuhause sein? Mit Sicherheit nicht. Ein Flüchtlingslager sollte für niemanden ein Zuhause sein müssen. Schon gar nicht, mitten in der jordanischen Wüste, wo derzeit rund 120.000 Menschen in einem der weltweit größten Flüchtlingslager auf eine ungewisse Zukunft warten. Auch wenn das Lager die Grenze seiner Kapazitäten längst erreicht hat, hört der Flüchtlingsstrom nicht auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass Zataari noch lange ein Zuhause für syrische Flüchtlinge sein muss, ist leider realistisch hoch. 

 

Mehr als eine Notunterkunft

 

More than Shelters-Gründer Daniel Kerber in einem Flüchtlingslager
Bild: More than Shelters

Wie ihr wisst, verfolge ich die Geschehnisse in und um den syrischen Krieg seit seinem Ausbruch. Vor ein paar Tagen erfuhr ich nun ganz zufällig von einem Konzept, das die Situation in Flüchtlingslagern revolutionieren könnte.

Ein Kunstprofessor rief Daniel Kerber das Projekt "More than Shelters" ins Leben, was ungefähr mit "Mehr als eine Notunterkunft" übersetzt werden kann. Gemeinsam mit seinem Team entwickelte kerber ein Designkonzept für ein wohnliches Notunterkunftssystem - speziell für Flüchtlingslager.

Das Zelt nennt sich Domo und sieht ein bisschen aus wie ein Iglu (von nahem) beziehungsweise wie eine chemische Sturkturformelmodell (von weitem), passt sich aber angeblich ideal allen Umständen an. Vier verschiedene Modelle für unterschiedliche Klimazonen soll es geben, für heiße Regionen genauso wie für kalte und nasse.

 

Humanitäre Architektur

Das Domo ist schnell aufgebaut, flexibel einsetzbar und an die Umgebung angepasst.

Außerdem können die Module an die Zahl der Familienmitglieder angepasst werden und halten im Gegensatz zu den in 80ern entwickelten Standart Leinenzelten mehrere Jahre (wusstet ihr, dass die Leinenzelte eine Lebensdauer von nur sechs bis acht Monaten haben? Also ich nicht!). Dabei sehen die Teile - klar, sind ja von Designerhand - auch noch echt schick aus. Wie die Macher von More than Shelters auf ihrer Homepage und im Vorstellungs-Video betonen, sollen aber die humanitären Achitekturvorteile im Vordergrund stehen, nicht das Design.

 

Das Grundmodul des Domo.

Größter Pluspunkt des Domo ist und bleibt aber die Praxis und die Menschen dahinter. Gemeinsam mit den Betroffenen entwickelt und schnell aufgebaut, flexibel kombinierbar, anpassungsfähig und Langlebigkeit zeichnen das Berliner Social-Design-Konzept aus. Unterstützung bekommt More than Shelters vom Technischen Hilfswerk. Auch wenn ich den Begriff "humanitäre Architektur" noch nie zuvor hörte, in diesem Zusammenhang würde ich ihn auch erfinden.

 

50.000 Euro für Zeltrevolution in Jordanien

In der Theorie schon lange bereit für den ersten Einsatz in der Praxis. Jetzt gehts auf den Weg in die Umsetzung.

Mit der Crowdfundingplattform startnext sammelte das Projekt bereits über 50.000 Euro - und das weit unterhalb der vorgegebenen Zeit. Das Geld soll als Startkapital für die ersten 50 Domos im Jordanischen Zataari fungieren, gemeinsam mit den betroffenen Bewohnern werden nun im nächsten Schritt  erste Räume mit dem Zeltsystem aufgebaut werden. Das startnext-Projekt kam sogar so gut an, dass die Spendenzahlen trotz Erreichen des Fundingzieles noch immer steigen. Ist das nicht sensationell?

 

Pack die Schublade aus

 

Crowdfunding bei Startnext

Seien wir mal ehrlich: More than Shelters hat meinem kleinen, naiven Weltbild ein bisschen entgegensetzt. Ich musste mir als ich von dem Projekt erfuhr erst einmal mein Schubladendenken eingestehen. Dachte ich doch, Designer und Architekten beschäftigen sich ausschließlich mit sauteuren und unnötig platzverschwendenden Bauwerken für die Schönen und Reichen. Tja, getäuscht!

 

Weitere Informationen über More than Shelters:

 

Homepage: www.morethanshelters.org

Startnext-Projekt: www.startnext.de/morethanshelters