Mit Text und Tat für eine bessere Welt

“Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, es wär nur deine Schuld,
wenn sie so bleibt”

 

Bild: Tino Höfert  / www.jugendfotos.de
Bild: Tino Höfert / www.jugendfotos.de

Koks, Alkohol und Groupies – das gängige Vorurteil der Rockbands ist alles andere als grün. Auch Musikliebhaber kommen bei der Beurteilung nicht besser weg. Bilder von Dosenbier trinkenden Männern in Lederjacke auf fetten Motorrädern oder Jungs mit schlabbrigen Hosen tauchen gleich im spießigen Kollektivgedächtnis auf. Dass sich seit den Drogeneskapaden der Stones und dem extrovertierten Stargehabe Freddy Mercuries einiges geändert hat, wissen viele Musikfans nicht.

Rock bis HipHop durchweg engagiert

Deutsche Musiker haben den Klimaschutz schon längst für sich entdeckt: HipHopper Jan Delay zum Beispiel macht sich für den Klimaschutz stark. Vor allem Energie hat es ihm angetan, ganz besonders der umstrittene Bau des Kohlekraftwerks Moorburg. Ein Kohlebrikett schickte er höchstpersönlich an die Bundeskanzlerin, seine Konzertbesucher rief er dazu auf, dem Atomstrom den Rücken zu kehren und Protest-SMS an den Moorburger Bürgermeister zu schicken. Popikone Nena setzte sich für die Pro7-Klimaschutz-Kampagne CO2NTRA ein und spielte auf Festivals für eine gentechnikfreie Landwirtschaft sowie gegen die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen.

Einem richtig heftigem Thema hingegen nimmt sich BAP-Urgestein Wolfgang Niedecken an: Er unterstützt seit Jahren das Hilfsprogramm Rebound, das frühere Kindersoldaten in Uganda psychisch aufbaut und hilft, deren Trauma zu überwinden.

Bild: kareylj /sxc.hu
Bild: kareylj /sxc.hu

Wir sind Helden fahren nach eigenen Angaben wo immer es geht mit dem Zug zu ihren Konzerten und verzichten bis auf "Notfälle" gänzlich auf Flugzeuge, das Outfit der Band Silbermond ist meistens aus fair gehandelter Biobaumwolle. Auch dass Thomas D. von den Fantastischen Vier Vegetarier und PETA-Unterstützer ist, ist kein Geheimnis. Die Ärzte sind eine Band, die sich intensiv mit Umweltschutz auseinandersetzt, ohne großen medialen Wirbel damit zu suchen. Frontmann Farin Urlaub ist Vegetarier und Antialkoholiker, Bela B. engagiert sich für die Tierrechtsorganisation PETA, bei den großen Castor-Protesten in Gorleben gaben die Ärzte ein Gratiskonzert für Demonstranten.

Text und Taten im Einklang

Doch auch wenn man nichts über die lobenswerten Machenschaften der Künstler weiß, macht es zuweilen richtig Spaß, deren Texte einfach mal genau zu verfolgen. Mit Titeln wie “Nicht Wissen”, “Paradies”, “Lieber Staat”, “Hier kommt Alex” oder mit "Schöne neue Welt" und "Steh auf!" - um mal bei deutschen Titeln zu bleiben, schleichen sich die kreativen Botschaften von beispielsweise den Toten Hosen, den Ärzten oder Culcha Candela ins Hirn ihrer Hörer und polen an der ein oder anderen Stelle vielleicht auch einen Gedanken um.

Bob Geldorf schreibt Musikgeschichte neu

Bild: haloocyn /sxc.hu
Bild: haloocyn /sxc.hu

Dass Engagement sich nicht nur als Publicity eignet, sondern die eigene Prominenz auch wirklich etwas bewegen kann, zeigt sich wohl nirgends so gut wie am Beispiel Bob Geldorf. Der Sänger der Boomtown Rats sah 1984 zufällig eine Dokumentation über die Hungersnot in Afrika und organisierte daraufhin mal eben so die größte Hilfsaktion der Musikgeschichte. Gemeinsam mit Midge Ure (Ultravoxx) rief er zuerst das Bandprojekt BandAid ins Leben. Ganze vierzig Weltstars sangen gemeinsam “Do they Know ist’s Christmas”, in 13 Ländern war der Titel wochenlang auf Platz Eins der Charts. Ein halbes Jahr später schuf Geldorf das legendäre LiveAid-Konzert, das bis dahin größte Rockkonzert überhaupt. In London und Philadelphia traten abwechselnd innerhalb von 16 Stunden internationale Topstars der damaligen Musikszene auf, darunter die frisch vereinten Jungs von Queen, Madonna, Judas Priest, U2 und die Dire Straits. Bei der weltweiten Übertragung per Radio und Fernsehen erreichte das Konzert rund 1,5 Milliarden Menschen und brachte über 100 Millionen Euro ein. Das Geld kam vollständig der Hungerhilfe Afrikas zugute. 

Mit voller Energie für soziale Gerechtigkeit

Zahlreiche Stars des LiveAid, zum Beispiel Bono von U2, Paul Mc Cartney und Phil Collins, engagieren sich noch heute für verschiedene soziale Projekte. An deren Beispiel knüpfen viele neuere Bands an, so auch Coldplay, die sich für Amnesty International und der Entwicklungshilfe Oxfam einsetzen, allem voran dem Projekt „Make Trade Fair“.

Fast schon radikal zeigen sich die vier Jungs von Rise Against. Eine Band aus überaus erfolgreichen Rockern, bestehend aus zwei Vegetariern und zwei Veganern und jede Menge Lyrics über politische und ökologische Themen räumen wohl auch das allerletzte Vorurteil über proletige Musiker aus der Welt…