Rote, faire Rosen

Bild: Sarah Tiedemann / www.jugendfotos.de
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80 Prozent aller in Deutschland verkauften Rosen stammen aus Entwicklungsländern. Zum Valentinstag hat die "Blume der Liebe" Hochsaison. Gibt es Fairtrade-Blumen? Ja! Und die lohnt es sich zu kaufen!

Ein Gastbeitrag von Maria Herzger

Am 14. Februar ist Valentinstag und der alljährliche Run auf Rosen beginnt erneut. Glücklicherweise steigt die Nachfrage nach Fairtrade-Rosen in den letzten Jahren hierzulande stetig an, was sich in vieler Hinsicht positiv auswirkt.

Denn das hiesige Konsumverhalten nimmt entscheidenden Einfluss auf die Umwelt und die Gesundheit der Plantagenarbeiter in Afrika und Lateinamerika, wo der Löwenanteil der Rosen für den deutschen Markt produziert wird. Doch auch das eigene Wohlbefinden profitiert von nachhaltig ausgerichtetem Kaufverhalten.

Wirtschaftsinteressen heizen Konsum an

Eigentlich ist der Valentinstag christlichen Ursprungs und erinnert an verschiedene Märtyrer namens Valentinus. Durch Papst Gelasius I. wurde der Gedenktag 469 für die christliche Kirche eingeführt. In der heutigen Zeit begeht man den Valentinstag als den Tag der Liebenden. Strategisches Vorgehen und vereintes Rühren der Werbetrommeln durch Floristen sowie die Süßwaren- und Schmuckindustrie, haben die einst christliche Bedeutung in den Hintergrund gedrängt und stattdessen einen weiteren Konsum-orientierten Tag geschaffen, der ihre Kassen alle Jahre wieder mächtig klingeln lässt.

 Bild: Johanna Fleger / www.jugendfotos.de
Bild: Johanna Fleger / www.jugendfotos.de

Die als Sinnbild der Liebe geltenden Rosen sind die Verkaufsschlager zu Valentinstag schlechthin. Umso lohnenswerter ist ein Blick hinter die Kulissen der Produktionsstätten, denn vermutlich ist der Mehrheit der Schenkenden überhaupt nicht bewusst, unter welchen Bedingungen das Präsent für den lieben Partner letztendlich auf den Ladentisch gelangt. Gerade bei der konventionellen Rosenproduktion kommen massenhaft Pestizide zur Anwendung, auch solche, die in Europa längst verboten sind. Ebenfalls werden Arbeitsschutzvorgaben umgangen. Die Arbeitssituation auf den Blumenplantagen ist häufig alles andere als umwelt- und gesundheitsfreundlich.

Freude schenken auf Kosten von Umwelt und Gesundheit?

So erkranken immer wieder ArbeiterInnen in Folge schlechter Rahmenbedingungen bei der Produktion und der weiteren Verarbeitung auf breiter Linie. Für viele von ihnen bedeuten die besorgniserregenden Begebenheiten sogar einen frühzeitigen Tod. Diese bedenklichen Missstände lassen sich auch auf andere Wirtschaftszweige übertragen. So ist man als Verbraucher generell gut beraten, kritisch über den Tellerrand der Produktionsabläufe zu schauen und bei jedem Kaufentscheid Aspekte wie Umweltkriterien und Nachhaltigkeit mit einzubeziehen.

 Bild: Stephanie Stäbler / www.jugendfotos.de
Bild: Stephanie Stäbler / www.jugendfotos.de

Konventionell betriebene Blumenfarmen sprießen wie Pilze aus der Erde, vergiften die Umwelt und ruinieren die Gesundheit der Beschäftigten sowie der Anwohner im großen Stil. Bei der Rosenproduktion wird viel Wasser benötigt. Das mit Pestizidrückständen kontaminierte Abwasser wird dann größtenteils ungeklärt in die anliegenden Flüsse und Seen eingeleitet, was zu folgenschweren Umweltschäden führt. Umweltschutzorganisationen berichten immer wieder von Massenfischsterben durch die permanente Vergiftung ganzer Ökosysteme.

Auf Grund des einhergehenden Ausverkaufs von Umwelt und Natur werden die Bewohner regelrecht um ihr Land und ihre Lebensgrundlage betrogen. Infolgedessen wird ihnen der Trinkwasserzugang für sich selbst und ihr Vieh immens erschwert und ist ihnen oftmals sogar kaum noch möglich. Durch das unaufhaltsame Bedienen profitorientierter Wirtschaftsinteressen sind die Einheimischen einem unvorstellbaren menschenunwürdigen Spießroutenlauf ausgeliefert. Demzufolge sind sie ständig auf der Flucht, um überhaupt noch einen Platz zum Leben zu haben.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!

Bei der gemeinsamen Recherche des deutschen Fairtrade-Geschäftsführers Dieter Overath und dem Autor Steffen Bayer von planet_e des ZDF, kam Brisantes zutage. Es ist nicht alles Gold was glänzt, dies ist die Bilanz der Überprüfungen in Kenia. Arbeiter haben dem ZDF-Team Informationen über Betrügereien anvertraut. Man würde konventionell erzeugte Rosen in Fairtrade-Ware umetikettieren. Diese betrügerischen Manipulationen verdeutlichen wieder einmal mehr, schwarze Schafe gibt es überall! Doch sie sind keinesfalls das Maß aller Dinge und ein gänzliches Verschmähen von Fairtrade-Rosen wäre sicherlich der falsche Weg.

 Bild: Jakob Daniel Schröder / www.jugendfotos.de
Bild: Jakob Daniel Schröder / www.jugendfotos.de

Ein Konsumboykott von Fairtrade-Produkten würde die Belegschaft mit ihren Familien schwer treffen, hätte somit weitreichende negative Auswirkungen auf ihre Lebensbedingungen und würde zudem der Umwelt und Natur erheblichen Schaden zufügen. Dennoch wird verdeutlicht, dass eine kritische Betrachtung und Intensivierung der Kontrollen sowie das Ergreifen entsprechender Maßnahmen unabdingbar sind, um derartigen Machenschaften den Garaus zu machen.

Mit Fairness für eine bessere Welt - mach mit!

Fairtrade-zertifizierte Blumenfarmen erfüllen höhere Umwelt- und Gesundheitsstandards und gewähren sozialere Arbeitsbedingungen.

 Bild: ZDF
Bild: ZDF

Die Mitarbeiter werden besser entlohnt als in konventionell wirtschaftenden Betrieben. Zudem werden nachhaltigere Anbaumethoden angewandt. So kommen dort sowohl eine geringere Menge als auch weniger-toxisch wirkende Pestizide zur Verwendung.

Schädlinge und Krankheiten werden zunehmend durch den Einsatz von Nützlingen bekämpft, was sich positiv auf den Umweltschutz und die Artenvielfalt sowie die Gesundheit der Angestellten auswirkt.

Die deutschen Verbraucher gewinnen ebenfalls beim Entscheid für Fairtrade-Rosen, da sie weniger Schadstoffe in ihrem eigenen Wohnumfeld befürchten müssen. Dass Rückstände von Pestiziden auch im eigenen Zuhause ausgasen und sich nachteilig auf die persönliche Gesundheit auswirken können, ist vielen Konsumenten nach wie vor völlig unbekannt. Desweiteren wächst mit jedem Griff zu fairen Produkten auch die Zahl Derjenigen, die gemeinsam für eine ‚bessere Welt‘ einstehen und auch bereit sind, dafür etwas mehr zu bezahlen.

Denn nachhaltiges Wirtschaften und fairer Konsum ermöglichen erst eine lebenswerte Gegenwart und schaffen die nötigen Voraussetzungen für eine lebenswerte Zukunft. 


Quelle: ZDF planet e: Grüne Rosen - Fairtrade-Rosen aus Kenia. Hier findet sich auch ein Dokumentationvideo und weitere Hintergrundinformationen zum Thema.

Dieser Bericht erschien zuerst auf der Homepage des Newsblog. Autorin Maria Herzger hat ihn dem Architexturbüro freundlicherweise zur Verfügung gestellt.  Vielen Dank!

Ein Blick auf Marias Blog lohnt sich ebenfalls: www.maria-herzger.eu