Händetrocknen wie die Ökos

Stoffhandtücher sind wieder auf dem Vormarsch
Stoffhandtücher sind wieder auf dem Vormarsch

Schon seit ich denken kann legte meine Mutter großen Wert auf Hygiene rund um den Toilettengang - vor allem auf öffentlichen Klos. Da konnte ich noch so dringend gemusst haben - bevor ich auf die Schüssel "durfte", hatte diese sorgfältig mit Toilettenpapier belegt zu sein. Und anschließend hieß es: "... und nach dem Popo putzen das Hände putzen nicht vergessen!" Und danach: Hände trocknen! Und genau das hat sich seit den 90ern gewaltig verändert. Nur: wohin?

 

Das Trocknen der Hände - im Wandel der Zeit

Als klein Julia noch nicht selbst in der Lage war, ihren Klositz zu präparieren, freute sie sich immer, wenn es zum Händetrocknen so richtige Handtücher gab. Wie Zuhause. Auch wenn meine Mutter das gar nicht hygienisch fand. Die einzige Alternative damals waren Handtuchabrollgeräte, die man mit beiden Händen und einem "Ratsch!" herunterziehen konnte, um sich dann die Hände an einem frischen Stück Handtuch trocknen zu können (danach hat sich das benutzte Stück mit einem "Klack!" wieder selbst aufgerollt). Diese hingen jedoch meistens so weit oben, dass man als kleiner Zwerg nicht alleine drankam - und schon wieder auf die Erwachsenen angewiesen war. Und sie wurden irgendwie nach und nach abgeschafft.

Alles heiße Luft...

Bakterienschleuder - diesen Ruf hat das Gebläse schon seit ich es kenne.
Bakterienschleuder - diesen Ruf hat das Gebläse schon seit ich es kenne

Mit der Zeit verschwanden Handtücher komplett aus den Restaurant-, Schul- und anderen öffentlichen Toiletten. Und nur wenig später wurden die Handtuchrollen nach und nach durch Trockenpustegeräte verdrängt. Eine hygienische Katastrophe (glaubt man meiner Mutter), weil die Dinger voller Bakterien sind und sie nicht nur auf die Hände, sondern auch in die Luft wirbeln, wo man die Klobakterien dann wunderbar einatmet. Ganz früher gab es die Dinger mit Knopf, später dann mit Sensor (der mich stets ignoriert wenn ich wie verrückt vor ihm herumwinke) und seit ein paar Jahren gibt es diese Modelle auch in der Asführung "Superhightech", der sich anfühlt, als würde man seine Hände in einen Sandstrahler stecken und bei dem - seien wir ehrlich - wir uns fragen, was wohl passieren würde, wenn so mancher ein anderes Körperteil hereinsteckt...


... und recycelte Zeitungen

Winkewinke!
Winkewinke!

Alternativ dazu entwickelte sich die Technik der Einmaltücher quasi in Rekordzeit weiter: Anfangs noch in klassischem Recycling-Design aus uralten Spendern (wo man immer einen ganzen Batzen rauszog, obwohl man nur ein Tuch wollte) und man die Hälfte davon dann an den Fingern kleben hatte, gab es nur wenig später dann die Hightech-Version, bei der man ebenfalls wie wild vor einem Sensor herumwinken muss, bis das ersehnte Tuch sich da mal herausbewegt. Und dann erst die Berge an verbrauchten Tüchern, die sich dann sofort auf dem Boden verteilen, sobald der Mülleimer voll ist...

 

Was kommt als nächstes? Ihr erratet es nie!

Ab in die Wäsche - sind Stoffhantücherchen die Zukunft der Handhygiene?
Ab in die Wäsche - sind Stoffhantücherchen die Zukunft der Handhygiene?

Was kommt also als nächstes? Ich gebe zu, ich habe gestaunt: Als ich das erste Mal weder Trockenpuster noch Einmalpapier auf einem Restaurantklo entdeckte, war ich baff. Da gab es tatsächlich wieder Stoffhandtücher! Und zwar für jeden Gast eines, ca. 20 auf 20 Zentimeter groß, einzeln zusammengerollt in einem hübschen Bastkörbchen, neben dem Waschbecken ein Wäschekörbchen und ENDLICH das Gefühl, richtig trockene Hände zu haben! Ich gebe zu: Ich war begeistert von dieser Idee. Wie diese Idee entstanden ist, konnte mir in besagtem Restaurant leider keiner sagen, umso mehr freut es mich, dass ich die gleiche Vorgehensweise nun schon mehrfach beobachtet habe: In einem Gemeindezentrum, in einer Familieneinrichtung, in einem weiteren Restaurant und in einer Arztpraxis.

Leider konnte ich auch dort niemanden erwischen, der mir etwas über die Hintergründe darüber sagen könnte, und auch im Internet gibt es kaum Quellen über diesen Trend. Aber das ist ja auch eigentlich egal.

 

Selbst wenn das Waschen der Stoffhandtücher in Sachen Abwasser nicht punkten kann, in Puncto Abfall und Hygiene tut es das auf jeden Fall. Die Kosten hat leider noch keiner verglichen, zumindest habe ich noch keinen gefunden. Immerhin hat eine Gruppe Schüler das Thema "Papiertücher vs. Lufttrockner" im rahmen einer Projektarbeit in Sachen Haltungskosten und Ökonomie verglichen1.

 

Vergleich: Stoff kommt besser weg

Immerhin hat sich der Wirtschaftsverband Textil Service e.V. mit dem Thema Händewaschen und Hygiene beschäftigt und bestätigt2, dass:

 

... Baumwoll- und Papierhandtücher deutlich mehr Bakterien von den Händen entfernen als die Pustgeräte

... meine Mutter Recht hatte: einen Meter rund um die Lufttrockengeräte ist die Zahl der Bakterien sehr, sehr hoch.

... die Kontamination mit Bakterien auf dem Baumwollhandtuchspender am wenigsten war, gefolgt vom Warmluft-Händetrockner und danach auf dem Papierhandtuchspender. Die höchste Bakterienzahl fand sich auf dem Lufstrom-Trockner, mit einer hohen Konzentration von E. coli am Boden des Geräts.

Aber: Die Studie hat natürlich wie jede Studie ihre Gegner. Dyson zum Beispiel (der Händetrockner mit der gefühlten Druckluft) wirft dem Verband befangenheit vor, da die Studie zwar "vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Uni Helsinki durchgeführt wurde, in Auftrag gegeben und finanziert wurde sie aber von der European Textile Services Assocation – also genau jenem europäischen Branchenverband, dessen Mitglieder vom Verkauf von Handtuchrollen leben." sagt zumindest das Onlineportal 20minuten.ch3.

 

Wie auch immer - ich finde den neuen alten Stoffhandtuchtrend großartig. Aber vielleicht bin ich auch einfach ein bisschen retro.