Bio oder Fair? Was zählt mehr?

 Bild: Kathrin Thiede / www.jugendfotos.de
Bild: Kathrin Thiede / www.jugendfotos.de

Aus reiner Naturfaser, ohne chemische Reinigungsstoffe und mit umweltfreundlichen Elektrofahrzeugen zum Laden gebracht worden – oder doch lieber Schulbücher spenden, sauberes Wasser für ein Dorf fördern und sonstige Hilfsprojekte finanziell zu unterstützen? Das beliebte Greenwashing unter der Lupe:

 

Bio oder Fair? Was zählt mehr?

Es ist nicht immer leicht, „seinen“ Weg im alltäglichen Konsumwirrwarr zu finden. Selbst wenn man ihn gefunden hat, wenn man sich an all seine Vorsätze hält, bleibt oftmals immer noch das Vertrauen an Firmen und Institutionen, das zart wie eine Blumenblüte bei zu genauem Hinsehen sofort zerstört werden kann. Ein nun zugegebener Maßen nicht ganz so neuer Trend der klassisch-konventionellen Unternehmen scheint es zu sein, um jeden Preis auf den Bio- und Ethik-Boom mit eigenen tollen Angeboten mithalten zu können.

 

Halbherzige Änderungen

 Bild: Stolle / Deutsches Nationalarchiv
Bild: Stolle / Deutsches Nationalarchiv

Bevor man aber mit vollem Herzen hinter eine ganzheitliche Sache stellt, wählen die meisten Firmen den Zwischenweg, der da heißt: „Nur nichts überstürzen – erst mal langsam testen…“ Meint: Bevor man die zwei Punkte im globalisierten Handel überhaupt angeht, picken sich C&A, Deichmann und Co. die werbewirksamsten und am einfachsten umzusetzenden Punkte heraus.

 

Auf  jeden Preis meint auf jeden Preis

 Bild: Olivier Epron
Bild: Olivier Epron

Die sogenannte „grüne“ Mode, zu 100 Prozent aus Biobaumwolle hergestellt, ist in einer großen Textilkette mit Sitz in Düsseldorf bereits ab 4, 40 Euro zu haben. „Die Baumwolle, die in diesem Produkt eingesetzt wurde, ist zertifizierte Biobaumwolle. Keine Pestizide, mehr Verantwortung… Für unseren Planeten, für unsere Umwelt!“ steht auf dem (FSC zertifizierten) Anhängeschild des schwarzen Bio-Tops der Größe 38. Zur Sicherheit auf insgesamt sage und schreibe 15 Sprachen übersetzt.

Bio ist ja schon mal nicht schlecht. Und wenn was „schon nicht schlecht“ ist, weil es mehr Bio ist als in einem handelsüblichen Kleidungsstück, so hat sich mittlerweile auch in den konventionell denkenden Köpfen der Republik eingebrannt, das man lieber etwas mehr für ausgibt.

 

Man sieht den Wald vor lauter Biobaumwolle nicht…

 
Bild: Martin Meyer / www.jugendfotos.de
Bild: Martin Meyer / www.jugendfotos.de

Für was, bleibt offen. Denn „Biobaumwolle“ klingt schon mal gut, allerdings bleibt die Frage offen, wie sozial verträglich das 4,50 Euro-Top hergestellt wurde. In einer taiwanesischischen oder in Bangladesch ansässigen Massennäherei? Kurioserweise gibt es dazu keinerlei Hinweis an der Klamotte. Sind die Baumwollbauern mit langen Vertragslaufzeiten abgesichert worden oder wurde die zertifizierte Biobaumwolle zu Dumpingpreisen auf Welthandelsbörsen gekauft?

Und was garantiert mir eigentlich, dass es wirklich Biobaumwolle ist? So oft man es auch dreht und wendet, auf Links krempelt und alle Schilderchen absucht – hierzu gibt es keine Informationen, weder auf Deutsch noch auf irgendeiner anderen Sprache. Auf der Webseite des Anbieters übrigens auch nicht.

 

Die zweite Seite der gleichen Medaille

Bild: Ayla87 / www.sxc.hu
 Bild: Ayla87 / www.sxc.hu

Wo Bio ist, kann Fair nicht schaden – oder noch besser umgekehrt? Selbst das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bezeichnet ein „Bio“ ohne ein „Fair“, als eine halbe Sache. Beide Siegel sind Teil einer Medaille, findet das Ministerium, und so unrecht hat es dabei nicht.

Aber auch hier gilt es zu differenzieren: Ist es wirklich fair, wenn ein Unternehmen wie eine große Schuhdiscountkette von sich behauptet ein nachhaltiges und faires Geschäftskonzept zu verfolgen, weil es mehrere Hilfsorganisationen in Asien und Afrika finanziell unterstützt? Hat es sich damit nicht ein bisschen zu leicht aus der Affäre gezogen? Und wer kontrolliert eigentlich die Hilfsorganisationen und garantiert, dass dort alles mit rechten Dingen zu geht?

 

Geduld üben

 Bild: David Nance
Bild: David Nance

Die Konsumwelt könnte wirklich so schön einfach sein, wenn sie nicht so schwer wäre. Zum Glück gibt es ja aber diejenigen, die sich von Anfang an mit beiden Seiten der Medaillen befassen und deren ganzes Konzept auf genau dieser Tatsache beruht: Mit kleinen Schritten großes erreichen – und für die großen, in ihrer Masse schwer beweglichen Riesen ein Beispiel zu sein.

Die Sensibilisierung für die Themen Bio und Fair hat sich schleichend, aber sicher in das Bewusstsein von Otto Normalverbraucher gekämpft – hat Logos von Fastfoodketten ergrünen lassen, Käfigeier aus den Regalen verbannt und verschiedene Unternehmen dazu verleitet, plötzlich doch Regenwälder wieder aufzuforsten, die sie angeblich nie zerstört haben sowie einen gerechteren Lohn an die Mitarbeiter zu zahlen.

Das ist doch schon ein guter Anfang. Vielleicht darf man einfach nicht so ungeduldig sein, sondern jeder für sich bewusst in die Vorreiterrolle schlüpfen.