Social Love

Bild: Svenja Hartmann / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc) http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/deed.de
Bild: Svenja Hartmann / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Ja, ich bin ein großer Fan des Internets. Und ich bin ein großer Fan von Twitter. Auch ja, von Facebook gar nicht. Es kann durchaus vorkommen, dass ich tagelang Facebook nicht einen Klick Beachtung schenke - bei Twitter muss ich schon wirklich im ziemlich im Off oder im Urlaub sein, dass so etwas passiert. Warum das so ist, gehört jetzt nicht hier her - denn hier geht es um eine Geschichte voller User-Empathie. Es geht um Mias Geschichte.

Mias Geschichte

Bild: Eike Rockstuhl / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc) http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/deed.de
Bild: Eike Rockstuhl / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Seit einigen Wochen folge ich der Twitterin Mia Mo (@mia929292). Mia hat einen Hirntumor und benutzt den Kanal des blauen Vögelchens als eine Art Tagebuch für ihre Chemotherapie. In ihren Acoountangaben heißt es: "Ich hab KREBS, kämpfe den Kampf meines Lebens. Wer gewinnt? Keine Ahnung! Oft stark und dann fällt man in ein tiefes Loch, schei.. Hirntumor!" Ihr Profilbild zeigt Mia mit Schläuchen in der Nase in einem Krankenbett. Dazu schreibt sie: "So sieht die Wahrheit aus ohne Schminke ohne schöne Kleidung." Und auch sonst sind Mias Tweets eher realistisch gehalten, stets mit dem Blick nach vorne:

#Chemotagebuch: neuer Tag, der Kampf geht weiter. Versuche mich zu fokussieren und es gelassen zu nehmen. Was anderes bleibt mir nicht.

(6. Februar 2015)


#Chemotagebuch mein Hirnkarzinom spricht leider auf die Therapie nicht an, das heißt wir müssen mit stärkeren Gift dahinter... Never give up!

(28. Januar 2015)


Jeder sollte anfangen zu Leben, bevor es vorbei ist und man merkt das es zu spät ist...

(13. Februar 2015)

 

Tweets einer Kämpferin

Knapp 10.000 Kurznachrichten hat sie seit 21. November 2014 über den Äther geschickt - auch wenn man beachtet, dass eine Menge Retweets darunter sind, eine unglaubliche Menge. Angeblich schaffte es Mias Hashtag #Chemotagebuch bereits kurzfristig in die Twitter-Trends.

 

Wenn Social Media tatsächlich sozial wird

Bild: Mia mag Sonnenuntergänge - und bekommt jede Menge tolle Bilder von ihnen geschenkt.
Bild: Mia mag Sonnenuntergänge - und bekommt jede Menge tolle Bilder von ihnen geschenkt.

Der wahre Erfolg von Mias Geschichte ist jedoch die Resonanz der anderen Twitter-User. Knapp 3.000 Follower sorgen sich um Mia, sprechen ihr täglich Mut zu, stärken ihr den Rücken und trösten sie mit Bildern, Videos und Grafiken. Seit Mia twitterte, dass sie Sonnenuntergänge und heiße Schokolade liebt, wird ihre TL von Genesungswünschen mit Sonnenuntergangsbildern überhäuft. Ehemalige Krebspatienten, die den Kampf ihres Lebens bereits gewonnen haben, versuchen sie aufzubauen. Und falls sich Mia, wie Anfang Februar geschehen, mehrere Tage nicht meldet, kommt unter ihren Followern ein mulmiges Gefühl auf. Dann (ist das nicht faszinierend?) trösten sich die Follower sogar untereinander und freuen sich riesig über einen Tweet, der zwar nicht von Mia selbst stammt, jedoch anscheinend von ihr in Auftrag gegeben wurde:

 

#Chemotagebuch: Lebenszeichen von Mia: ich schreibe im Namen von Mia und möchte allen, die sich Sorgen und auf ein Zeichen warten sagen:


#Chemotagebuch: sie kämpft. Aufgeben kommt nicht in Frage! Auch wen sie im Moment keine Kraft hat freut sie sich über EURE Unterstützung!


#Chemotagebuch: im Namen von Mia der Familie und den Freunden möchten wir Danke sagen. Ihr seid großartig.

(9. Februar 2015)

 

Warum Mia das alles macht, weiß ich nicht. Genaugenommen weiß ich nicht mal ihren richtigen Namen, weiß nicht, wo sie lebt und ich weiß auch nicht, ob es Mia überhaupt gibt. Doch selbst wenn es sie und ihre Geschichte nicht geben sollte - wovon ich persönlich nicht ausgehe: Mia hat es - wohl eher unbeabsichtigt - geschafft, ihre Krankheit und ihre Chemotherapie, jedoch vor allem ihren Kampfgeist zum Thema zu machen, das sich viele Wildfremde nun dank ihr bestimmt auch im RL ebenfalls zu Herzen nehmen.

Sie hat es geschafft, auf Twitter eine Welle der Empathie auszulösen. Und das finde ich großartig. Für Mia, für ihre Familie, ihre Freunde, ihre Follower und vor allem für alle, die den Glauben an das Gute im Menschen noch nicht aufgegeben haben - weder im RL noch im Netz.

 

Hinweise:

- Mias Account findet Ihr hier: twitter.com/mia929292

- Ich habe hier bewusst keine Bilder von Mias Account eingebettet, sondern Symbolbilder verwendet.