Drei Minuten: Foodsharing to go

 Bild: Isi Fischer / www.jugendfotos.de
Bild: Isi Fischer / www.jugendfotos.d

 

Ich fahre selten Bus. Eigentlich nie.

Dass ich an diesem schönen Sonnentag im Bus von der Stuttgarter Messe ins Stuttgarter Pressehaus fahre, liegt einzig und allein daran, dass ich wieder einmal zu geizig war, für einen Parkplatz 14 Euro zu bezahlen und zu spät dran, um mit dem Fahrrad zur Messe zu fahren.

Jetzt sitze ich also ganz vorne rechts auf einem Einzelplatz im Bus, der eigentlich für Senioren gedacht ist. Egal, nachdem ich den ganzen Tag gestanden hatte und die einzigen Senioren sich schon weiter hinten ein Plätzchen gesucht haben, beschließe ich, auf meinem Platz sitzen zu bleiben.

 

Eine Nuss bricht das Schweigen im Bus

Bild: Marketa Hritzova / www.jugendfotos.de
Bild: Marketa Hritzova / www.jugendfotos.de

Der Bus ist ziemlich voll, nahezu jeder Sitzplatz ist besetzt. Schweigen herrscht unter den Fahrgästen. Ähnlich wie in einem Aufzug denke ich gerade, als hinter mir eine Frauenstimme zu sprechen beginnt. „Hallo zusammen und schönen Abend, ich würde gerne kurz Werbung in eigener Sache machen.“ Oh nein, bitte keine Bettler. Plötzlich kommen alte Erinnerungen hoch, in denen ahnungslosen Fahrgästen von dreisten Bettlern so lange genervt wurden, bis sie ihnen ein paar Cents gaben, quasi als Schweigegeld. Was die Frau aber dann sagte, änderte meine erste Abwehr allerdings schlagartig.

„Ich habe von dem Fairtrade-Produzenten Ethiquable sechs Kilo Cashew-Nüsse geschenkt bekommen, da das Verfallsdatum morgen abläuft. Ich möchte sie gerne an Sie verschenken und dabei ein bisschen daran erinnern, dass in Deutschland das Mindesthaltbarkeitsdatum von vielen Menschen missverstanden wird. Die Nüsse sind einwandfrei, der Anbieter hätte sie aber wegwerfen müssen, da er sie nach Ablauf nicht mehr verkaufen darf. Auch spenden darf er sie nicht.“

Ein Raunen geht durch den Bus. Ich höre, wie die Frau aufsteht und Päckchen verteilt, die sehr gerne angenommen werden. Auch ich bekomme eins. Die Freude unter den Fahrgästen ist groß. Sie bedanken sich umschwänglich bei der Frau und futtern gleich darauf los.

 

Fairtrade im Vehikel

 Bild: Ethiquable
Bild: Ethiquable

Wieso Ethiquable die Nüsse ausgerechnet an sie verschenkt hatte, wird sie von zwei älteren Mitfahrerinnen gefragt. „Ich war die einzige die sich gemeldet hat. Sonst wollte keiner.“ Wahrscheinlich haben die Seniorinnen etwas ratlos dreingeschaut, denn nach einer kurzen Pause sprach sie weiter:

„Im Internet gibt es eine Plattform, Foodsharing heißt sie, da kann jeder Lebensmittel verschenken, die er nicht mehr braucht aber zu schade für den Müll sind. Bei Ethiquable hat sich niemand gemeldet, deswegen springen bei großen Mengen wir freiwillige Helfer ein und machen genau das, was ich gerade tue.“ Die volle Überzeugung spricht aus ihr, niemand hat auch nur einen Zweifel daran, dass die verteilten Fairtrade und Bionüsse nicht mehr essbar seien.

 

Im Auto wäre mir das nie passiert

 Bild: Johnnyberg / sxc.hu
Bild: Johnnyberg / sxc.hu

„Gib dem Busfahrer auch ein Päckchen!“, wird die Foodsharing-Helferin von einem Jugendlichen aufgefordert. Dieser freut sich ebenfalls über das unverhoffte Geschenk und berichtet ausgiebig von der leider allgemein gültigen sinkenden Wertschätzung von Nahrungsmitteln.

Auch die anderen Fahrzeuginsassen, die bisher schweigend das Geschehen verfolgten, diskutieren nun miteinander, der ganze Bus ist sich plötzlich geschlossen darin einig, dass man seinen Lebensmittelkonsum doch bitte genauer überdenken und überflüssige Einkäufe meiden sollte.

Ich sitze sprachlos und ein bisschen gerührt auf meinem Einzelplatz und höre dem Busfahrer zu. Als ich wenig später an meiner Haltestelle aussteige und an den Seniorinnen vorbeilaufe, sehe ich, dass die beiden Tränen in den Augen haben. „Die Jugend von heute. Sag da noch mal was dazu. So engagiert…“ höre ich sie noch sagen, dann schließt sich die Tür hinter mir.

Vorgestellt: Foodsharing.de

Ein Löffelchen für mich, eins für die Tonne: Lebensmittelverschwendung ist leider traurige Realität. Die neue  Onlineplattform foodsharing.de will das ändern - und freut sich über regen Zuspruch. Das Portal im Architexturbüro-Schnellcheck.

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