Sperrt Mäuler & Herzen auf!

Bild: "Xeniii Xenia" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)
Bild: "Xeniii Xenia" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)

Leider sieht man sich diese Zeiten wieder vermehrt mit geistigem Dünnschiss konfrontiert. Da wird geshitstormt, wenn ein Asylkreis kaputte Fahrräder für seine Radwerkstatt sucht, in Deutschland lebende Griechen werden auf offener Straße als EU-Schmarotzer angepöbelt und Facebookposts werden zu tausenden geteilt, in denen eine Mutter voller Stolz berichtet, dass ihr Sprössling einem anderen Junior im Schwimmbad klar machte, dass man hier in Deutschland gefälligst Deutsch reden muss, und nicht diese Sprache, die der andere da spricht (ironischer Weise sagte die Mutter dann noch das ganz und gar nicht deutsche "I love him!", aber was solls.) 

Deutschland brennt

Es sind Zeiten, bei denen man schon "zum Glück" sagen muss, wenn "wenigstens" "nur" die unbewohnten Flüchtlingsheime brennen. Radikal neudeutsch tarnt sich all das nun hinter dem Wort "besorgte Bürger", was hoffentlich alle Anstalten macht, sich an die Spitze des diesjährigen Rankings des Unwort des Jahres zu katapultieren. Diese Hass- und Hetztiraden sind vor allem eines: Laut. Sehr laut. Und das leider nicht nur im Internet, wo das - zugegebener Maßen sehr einfach ist - sondern auch auf der Straße (ihr wisst schon, diese unsäglichen "-idas..." und diverse Angriffe auf kommende oder bestehende Flüchtlingsheime). Das ist - seien wir mal ehrlich: ziemlich Scheiße - Sorgen hin oder her. Gewalt, Brandstiftung und so - das macht man nicht. Nicht hier, nicht zu dieser Zeit.

 

Es tut sich was

Nun gibt es aber zum Glück auch Menschen wie Anja Reschke. Die stellen sich vor die Kamera und appellieren: Mund aufmachen! Haltung zeigen!" und meinen das auch genau so. Und das tolle daran: Es wirkt! Und das richig! Die Menschen stellen sich nicht nur einfach hin wie ihre Gegenspieler und werden auch laut. Sie tun was. Anja Reschkes Kommentar löst einen wahren Lovestorm aus. Blogger jedwedem Genres setzen mit #Bloggerfuerfluechtlinge ein Zeichen. Der Hashtag #WelcomeChallenge wird als diesjährige #icebucketchallenge gehandelt. Die Nachrichten sind voll von den Bootsflüchtlingen, den schlimmen Zuständen in Flüchtlingsheimen und voll von Menschen, die helfen - unbürokratisch, selbtengagiert, wo sie können, auch mit kleinen Gesten. Die Zeitung Die Zeit nennt es angesichts der Lage vor dem LaGeSo in Berlin gar beim Namen: Ein zivilgesellschaftlicher Gänsehautmoment.

 

Leise Unterstützung von Herzen

Und auch hier in meinem eher überschaubaren Städtchen erfährt der Arbeitskreis Asyl seit einiger Zeit mehr und mehr Anfragen: Ich will mitmachen! Wo kann ich helfen? Ich habe was zu spenden! Oder ein "Dankeschön für Eure Arbeit". Auch ernst gemeinte Fragen wirklich besorgter Bürger sind dabei. Ganz ehrlich: DAS baut wirklich auf! Und zeigt: Es gibt so viele Herzensmenschen. Darunter sind auch viele, die wie Anja Reschke den Mund aufmachen. Aber vor allem zeigen sie Haltung, dort, wo ihr Herz hängt - in ihrer Stadt, in ihrer Nachbarschaft, in ihrer Menschlichkeit. Danke dafür.