Laber net! Eine Abrechnung

Bild: Traue keiner Studie, ...
Bild: Traue keiner Studie, ...

Die Wissenschaft hat manchmal wirklich nicht leicht. Da forscht sie voller Konzentration an den verschiedensten Studien herum, bringt sensationelle Erkenntnisse zu Tage und sieht sich dann mit der stupiden Intelligenz der Masse konfrontiert, die entweder dazu neigt, Forschungsergebnisse zu überinterpretieren, oder einfach deren Richtigkeit anzuzweifeln. Immerhin gibt es zu jeder wissenschaftlichen (und erst zu den unwissenschaftlichen!) Studie mindestens eine Gegenstudie. Da werden Äpfel mit Birnen verglichen, neue Erkenntnisse einfach ausgeblendet und Befangenheiten unterstellt.

Studie und Gegenstudie

Nehmen wir doch drei bekannte Beispiele: ich denke, alleine die Wörter "Spinat" (Kommafehler), "Survival of the fittest" (Übersetzungsfehler) und "Rassenlehre" (Propaganda) reichen aus, um aufzuzeigen, was ich meine. Neben "Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast" ist mein absoluter Lieblingsspruch über Studien: "Eltern intelligenter Kinder glauben gerne an die Vererbungslehre".

Bild: Linda Werner / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc) http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/deed.de
Bild: Linda Werner / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Für jede Meinung ist eine Studie gewachsen. Und die wird auch fleißig genutzt - denn wer lässt sich schon gerne von irgendeiner Erwiesenheit bevormunden? Schuld an dieser Trotzhaltung könnte wieder das sogennante Reaktanzverhalten sein. Basiert natürlich auch auf Studienergebnissen. Passt einem der Inhalt einer Studie nicht, sucht man sich eben eine aus, die der eigenen Ansicht besser entspricht. Dass man immer selbst erstmal zum Forscher werden sollte, wird dank dem Meinungsmacher Internet ja gerne einfach mal übergangen. Zugegeben, es ist nicht immer leicht, herauszufinden, wer die Studie in Auftrag gegeben hat, aber auch nicht verkehrt das zu wissen.

Warum ist das aber so?

Oder besser: Wie komme ich jetzt darauf? Nun, das ist ganz einfach. Nach nahezu jedem Blogbeitrag auf dieser Seite werde ich schier mit den unterschiedlichsten Studien, Links, Dokumenten, Videos, Grafiken und so weiter bombadiert. Und auch im Reallife bekomme ich regelmäßig um die Ohren genknallt, was ich nach irgendeiner Studie wieder alles falsch verstehe: Soja sorgt nämlich für die Weltvernichtung (woher will wer wissen, ob und wenn ja woher ich mein Soja beziehe), Attila Hildmann ist gar kein echter Veganer (was interessiert mich Attila Hildmann?) oder ich werde darauf hingewiesen, dass ich mit dem Kauf von einem Fairtrade T-Shirt die Welt nicht retten werde. Hiermit MUSS ich es nun einfach mal loswerden:

 

Danke! Was wäre ich ohne diese Tipps?!

Genau - ohne diese wertvollen Tipps, Studien, unreflektiertem Stammtischgeschwätz und seltsamen Verschwörungstheorien wäre ich hoffnungslos aufgeschmissen. Und seien wir ehrlich: Die Tipp-Geber unter Euch doch auch! Am schönsten finde ich ja, wenn mir ein ungefragter "Informant" irgendwelchen Bullshit schickt, der sich nach kurzer Recherche als copy-paste-Text erweist, den man 1:1 nach kurzer Recherche auf irgendwelchen zwielichtigen Pseudo-Verschwörungsblogs wieder findet. Hin und wieder sind sogar falsch interpretierte Texte vom Postillon dabei - also Leute, denkt doch mal etwas nach bevor ihr sowas verschickt!

Zwischen Konstruktivität und Stammtischgeschwätz

Bild: Tobias Mittmann / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc) http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/deed.de
Bild: Tobias Mittmann / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Ist es angesichts dessen noch verwunderlich, dass ich das alles nicht mehr wirklich ernst nehmen kann? So sehr ich mich über Nachrichten meiner Leser freue, so langsam nimmt das Stammtischgeschwätz leider überhand. Dazu kommt Folgendes: Meistens haben die gutgemeinten (?) Infos auch so rein gar nichts mit dem ursprünglichen Thema zu tun. Anfangs zweifelte ich da ein bisschen an mir selbst, doch immerhin scheint der Großteil meiner Leser den Kern meiner Botschaften (sofern es einen gibt) zu verstehen, denn sonst würden die Leserzahlen dieses Blogs bestimmt kontinuierlich sinken. Und - das beruhigt in der Tat etwas - anderen Bloggern scheint es ähnlich zu gehen, wenn man untereinander ins Gespräch kommt.  Die Lösung? Das Übliche: Sich über jeden freuen, der wirklich konstruktiv mitdenkt und wertvolle Tipps auf Lager hat, oder jemanden kennt der jemanden kennt der wirklich etwas Spannendes zum Thema beitragen kann. Oder der sich einfach nur an den Texten erfreut.

Leider fehlt für den anderen Fall noch eine virtuelle Art des lässigen "lächeln und winken". Jemand eine Idee? Ich freue mich (wirklich!!!) über Tipps! :)