Auf der Warteliste der Alma Mater

 Bild: Lustfish / sxc.hu
Bild: Lustfish / sxc.hu

Schon als ich den Raum betrete, ist mir klar, dass das diesmal nichts wird. Zu viele Studenten hatte die selbe Idee gehabt, gleich zur ersten Stunde noch in einen Kurs reinzukommen, der eigentlich als voll gekennzeichnet war. Zwanzig Minuten und ein paar Debatten später, sehe ich mich gemeinsam mit neun weiteren Gescheiterten vor der Tür. Das Seminar läuft ohne uns, natürlich unter großem Bedauern des Dozenten. Und das beste: Das ganze gibt es - so noch in meinem Fall - zum Schnäppchenpreis von nur 635 Euro pro Semster!

 

Studium der Frustologie

Das Studium gestaltet sich an diesem Tag eher zum Frust. Die ganzen schönen Weisheiten, die irgendwelche anderen, längst verstorbenen Denker vor mir schon gemacht haben, werde ich dieses Semester also nicht erfahren. Stattdessen habe ich mehr Zeit mich darüber aufzuregen. Auch nicht unbedingt besser. Wieso das so unfair ist, fragte ich irgendwann einmal einen Dozenten in der Sprechstunde. Die Anmeldeformalien seien doch generell chaotisch, da könnte ich eigentlich froh sein, nicht mehr an einem gewissen Tag früh aufzustehen, zur Uni zu fahren und mich dann richtig prügeln zu müssen, bekam ich zur Antwort. Gewissermaßen hat er da ja recht.

 

Die Zeiten ändern sich. Es wird modern.

 Bild: Marianne Drews / www.jugendfotos.de
Bild: Marianne Drews / www.jugendfotos.de

Es war wirklich eine Farce: Im ersten Semester wuselten wir armen Erstis durch ein riesiges, uns unbekanntes Gebäude und suchten den Kerl, der mit einem Stapel Papierzetteln in einem verlassenen Eck saß und bestimmt heimlich hämisch lachte, während wir uns mit Ellenbogen und Fäusten darum stritten, wer seine Unterschrift als erstes unter den Wunschkurs setzen darf.

Nicht selten ist der Wisch Papier einfach zerrissen. Im Nebenfach ging es da gesitteter zu, dort erhielt jeder einen Platz, musste sich aber trotzdem geschlagene drei oder mehr Stunden brav in eine Reihe stellen, um den Herren und Damen in einem winzigen Zimmer sagen zu können, wann man denn in welcher Reihenfolge welchen Kurs machen möchte. In meinem Fall waren das 500 Studenten, die drei Stunden lang brav in einer Reihe standen, Musik hörten, auf dem Handy herum tippten, vesperten, lasen oder Vokabeln lernten.

 

Der frühe Vogel schnappt den Kurs

Ja wirklich, im Vergleich dazu haben sich die Zeiten schon ein klitzekleines Bisschen gebessert. Heutzutage braucht man nur noch einen Internetanschluss und eine Engelsgeduld. An einem bestimmten Tag um genau Null Uhr gilt es, sich rasend schnell auf dem Fakultätsportal einzuloggen, den gewünschten Kurs anzuhaken, die richtige Modulzahlenkombination parat zu haben und dann auf ”ok“ zu klicken. Als gelte es, das tollste aller Ebayprodukte zu ersteigern. Um null Uhr zwo stürzt der Uniserver dann zum ersten Mal ab. Ein zweites Mal passiert dies in den frühen Morgenstunden, wenn die anmeldewilligen Studenten keine Lust hatten so lange wach zu bleiben und ihre Kurse besonders früh aussuchen wollen. Ob sie noch einen Platz bekommen ist fraglich, denn bereits um zwei Uhr Nachts war der Kurs schon mit 17 Personen kurz vor der Warteliste. Eine (wohl aus Gehässigkeit) hinein programmierte Ampel zeigt orange - kein gutes Zeichen.

 

Alle Kurse ratzfatz voll

 Bild: Lusi /www.sxc.hu
Bild: Lusi /www.sxc.hu

Die Anmeldefrist dauert zwei Wochen, nach zwölf Stunden sind in der Regel alle Kurse voll. Während dem Semester wird dann noch bekannt gegeben, dass mindestens zwei Kurse wegen Personalmangel nicht stattfinden können. Da war dann alles lange aufbleiben oder früh aufstehen umsonst. Anders geht es bei den Praxisseminaren zu. Auf einer DinA 4 Seite hat man zu erklären, warum man ausgerechnet dieses Seminar besuchen will.

Ob das jemals irgendwer liest, bezweifle ich zutiefst. Anmelden darf man sich nur zu einem, hat man dort den Platz nicht gekriegt, kann man entweder zu den stinke langweiligen unterbesetzten Kursen gehen (die mittlerweile durch immer weniger lehrende Dozenten auch voll sind) oder es heißt wieder: auf das nächste Semester warten- und sich darüber aufzuregen.

 

Es lebe das verschulte Unisystem!

Wie beneide ich meine Unikollegen von den verschulten Studiengängen! Da ist nix mit Anmelde-Prügeleien, weder in der virtuellen noch in der realen Welt. Man bekommt einen schönen Stundenplan, und hat einfach da zu sein, wenn losgeht. Das ist wahrer Luxus!

Es wird ja auch mehr auf Personen gelernt als auf Inhalt, und das streng nach Vorschrift: Man braucht für sein Zeugnis einen Prof A- und einen Prof B - Schein, die können sich aber leider nicht ausstehen, und verwerfen jeweils in ihrer Vorlesung die Ansicht des Anderen. Eigene Thesen sind natürlich grundsätzlich falsch, was soll denn das, der Student macht sich eigene Gedanken, dann können A und B ja nach Hause gehen. Vielleicht ist es doch nicht so schlimm, der ein- oder anderen Veranstaltung nicht beisitzen zu können?

Cody grüßt.