Fasten - der Gewohnheit ein Schnippchen schlagen

Nö zu Schokolade, Kaffee, Plastik oder Handy - Es ist Fastenzeit!
Nö zu Schokolade, Kaffee, Plastik oder Handy - Es ist Fastenzeit!

Ich gebe es zu: Die Fastenzeit ist eine der wenigen Bräuche, die ich wirklich gut finde. Bringt sie doch so wunderbar zu Tage, wie sehr wir alle von Gewohnheiten gelenkt werden, was das aus uns macht und vor allem, was wir durch diese angewöhnten Verhaltensweisen alles tolles verpassen. Außerdem beweist das Fasten immer wieder, zu was wir eigentlich fähig sind und öffnet nicht selten den Blick für Dinge, die wir sonst niemals auf den Schirm bekommen hätten...

 

Achtung: Verzicht ist nicht gleich Verzicht

Doch auch jedes Jahr erklingen passend zur Fastenzeit stets so tolle Sprüche wie "Haha! Ich faste das ganze Jahr über Rosenkohl und Spinat!" (sagt der Rosenkohl- und Spinathasser). Oder: "Ich faste Bücher!" (sagt der überzeugte Literaturverweigerer). Oder auch: "Ach, du Gutmensch meinst, du musst nix fasten, weil du das ganze Jahr über auf Fleisch und so verzichtest?" (sagt der reaktanzgeplagte Vegankritiker).

Bild: Deike Schwarz / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz (by)
Bild: Deike Schwarz / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz (by)

DAS, meine Lieben, hat mit Fasten mal rein gar nichts zu tun. Und ist nach zig Jahren der Wiederholung nun auch wirklich nicht mehr witzig (nein, wirklich nicht. Auch nicht ein Bisschen). Denn das ist kein Verzicht, das ist (in den allermeisten Fällen) eine Lebenseinstellung. Und die zu ändern, ist bekanntlich nur sehr schwer möglich, schon gar nicht, wenn sie auf Zeit passieren soll. In meinem Fall kann ich zum Beispiel fest sagen, dass ich nicht auf Fleisch verzichte. Ich esse es nicht, aber das ist in keinster Weise ein Verzicht, sondern vielmehr eine Bereicherung (wer jetzt wieder mit der einsamen Insel und Hitler und so kommt, bitte einmal hier entlang: klick). Das ist für mich nunmal so, auch wenn es für viele in keinster Weise verständlich ist (glaubt mir, umgekehrt ist es für mich auch in keinster Weise verständlich...). 

Doch, Lebenseinstellungen bzw. Charaktereigenschaften kann man nicht fasten, da bin ich mir ziemlich sicher. Das wäre ja in etwa so, also würde man - jaaaaa, ok, stark übertrieben...- beschließen, man würde während der Fastenzeit zum Beispiel als Homosexueller Hetero werden oder umgekehrt oder für sieben Wochen einer anderen (oder überhaupt einmal einer oder keiner) Religion angehören. Wie gesagt, sehr stark übertrieben, diese Beispiele... ich hoffe, ihr versteht was ich meine. Manches ist eben so persönlich gesteuert, dass der Wille im Kopf einfach nix zu melden hat.

 

Ein Pladoyer zum Ausprobieren

Plastik fasten? Geht auch. Zumindest probiert der Minimalismusblog es aus.
Plastik fasten? Geht auch. Zumindest probiert der Minimalismusblog es aus. 

Alles andere kann, darf und soll während einer Fastenzeit aber gerne ausprobiert werden. Ich selbst habe erst einmal zur Fastenzeit (Schokolade) gefastet, alle anderen Selbstversuche waren über das Jahr verteilt und bisher kam ich immer mit vielen tollen neuen Erfahrungen wieder ins "normale" Leben zurück. Am spektakulärsten war definitv meine Woche ohne Geld, welche erstaunlich gut lief.  Dieses Jahr bin ich beim Fasten leider nicht dabei, da ich dieses Jahr sämtliche Energie für etwas anderes brauchen werde, doch ich freue mich sehr über die bereits gemachten und gerade laufenden Fasten-Erfahrungen anderer, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte:

 

Kann man sich mit 20 Euro die Woche (Hartz IV-Satz) ernähren? Franzi vom Blog Gemüseregal hat es ausprobiert.

7 Wochen ohne Plastik - ob das geht versucht Isabell vom Minimalismusblog herauszufinden.

Wie ernährt man sich, wenn alle Lebensmittel nur im Umkreis von 50 Kilometer oder weniger angebaut werden? Rachel und ihre Familie hat's getestet.

Fair durch die Fastenzeit! Kate hat während der Fastenzeit versucht, ausschließlich Fairtrade-Produkte zu konsumieren.

Die Kampagne Modeprotest will die nächsten 7 Wochen mit 50 Kleidungsstücken auskommen.