Einkauf im Schlaraffenland

Bild: Tobias Oberrauner / www.jugendfotos.de
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Schade, dass Wohlstand mittlerweile völlig normal für uns ist. Mal ehrlich: Wann denken wir beim Thema Essen schon weiter als bis zur nächsten Mahlzeit? Wir pflücken uns in unserem Schlaraffenland nach Lust und Laune die Lebensmittel aus den prall gefüllten Regalen, und müssen nicht mal darauf achten, was gerade Saison hat. Es gibt alles, immer, von überall her. Dürren oder Überschwemmungen kann es im Schlaraffenland Supermarkt einfach nicht geben. Unsere Schlaraffenwelt bietet eben immer permanente Idealvoraussetzungen für unsere Herzenswünsche: Erdbeeren, Tiefkühlfisch und Dosenravioli.

Die Warenwelt ist sooo schön!

Was schert es mich schon, ob meine Bioäpfel aus Neuseeland oder vom Bodensee kommen? Schmecken tun sie dank Einheits-Saatgut ja eh alle gleich. Und dass die Minibananen per Gentechnik am Wachsen gehindert werden? Sie sind doch so klein und putzig. Brauche ich wirklich Reis mit Jasminduft? Wenn es ihn doch schon gibt, warum also nicht kaufen? Und die vielen armen Tiere, die jeden Tag verwurstet werden - wäre es nicht schade, wenn sie umsonst gestorben wären?Also rein in den Einkaufskorb, kostet ja nicht viel! Genauso wie die Kinder, die auf den Kakao-Feldern für meine Billigschokolade schuften - geht es ihnen nicht trotzdem besser, als wenn sie auf der Straße betteln müssten? Und wenn wir gerade an den Sommerkleidern aus Bangladesh für 9,99 Euro vorbeilaufen - sie sind einfach viel zu hübsch! Überhaupt: ist das nicht auch ein Kreislauf, wenn ich mir dieses Kleid - ausnahmsweise natürlich - gönne, und im Gegenzug ein anderes zur Kleiderspende nach Afrika gebe?

 

Grenzen des Schlaraffenlands

Bild: Daniel Eichenberg / www.jugendfotos.de
Bild: Daniel Eichenberg / www.jugendfotos.de

Ihr ahnt es schon: Jetzt, wo es uns heutzutage so gut geht und quasi an jeder Straßenecke ein Schlaraffenland mit supergeilen Sonderangeboten auf seine Kunden wartet, kommen wieder sie auf den Plan: Dahergelaufene Weltretter mit der ungeheuerlichen Behauptung, wir sollten uns von diesem schönen Wohlstand, für den wir so hart gekämpft haben, abwenden und im wahrsten Sinne des Wortes mal über den Tellerrand schauen. Freiwilliger Austritt aus dem Schlaraffenland? Niemals!

Übrigens: Wikipedia behauptet, dass das Wort Schlaraffenland vom Mittelhochdeutschen sluraff stammt, was "Faulenzer" bedeutet. Außerdem steht da, dass Schlaraffenland so viel meint wie „Das Land der faulen Affen". Das haben doch die Ökos gefälscht!

 

Cody grüßt.