Consumere

Die Einkaufslogik der Cody. B. C.

 Bild: Lukas Hersemeyer / www.jugendfotos.de
Bild: Lukas Hersemeyer / www.jugendfotos.de

Manchmal werde ich für meine Fragen wirklich schief angesehn. Dabei wollte ich nur mal so aus Interesse wissen, was das denn eigentlich ist für den Rest der Welt. Konsum. Ich hab einfach mal so nebenbei einen Mann in der Pfandflaschenabgabeautomaten- Schlange gefragt. Die Antwort kam prompt: "Na, Einkaufen natürlich!" Ein einfaches Weltbild hat der gute Mann, fast schon zu beneiden.

 

Wir wollen nichts wissen

Im Prinzip könnte das Leben auch so einfach sein! Kaufen, was das Zeug hält, ganz egal, was da eigentlich drin ist, wo es herkommt und wie sich der Preis zusammensetzt. Immerhin muss ich mich im Leben mit vielen Ungewissheiten auseinandersetzen, von dem her ist so ein bisschen Nahrung und Kleidung doch wirklich nicht das Überdenken wert. Immerhin gibt es genug unabhängige Forschungsinstitute, die für mich vordenken und die Qualität prüfen. In so einem großen Einkaufszentrum ist ja auch genug Auswahl.

 

Ware wächst im Supermarktregal

 Bild: Julian Berger / www.jugendfotos.de
Bild: Julian Berger / www.jugendfotos.de

Für meinen Fragekanditaten am Pfandflaschenabgabeautomaten ist die Welt bestimmt noch in Ordnung. Bei dem wächst die Ware in den Regalen. Nach meiner privaten strategischem Konsum- Theorie, die ihr derzeit ja Schritt für Schritt kennen lernt (so viel harte Kost muss wohl dosiert sein!) ist Konsum mehr mit Verbrauch zu übersetzen, auch wenn ich mit der Herkunftssprache ordentlich auf Kriegsfuß stehe, da mache ich mal eine Ausnahme.

 

Strategisches Abwägen

Strategischer Konsum ist also auch strategischer Verbrauch, und das ist eigentlich in allem was ich irgendwie tue mit eingeschlossen: Licht an, Licht aus. Essen. Anziehen. Aber auch von A nach B kommen. Hintergrundinfos sind für mich, die ich doch einfach immer drauflos frage, wichtig. Und so gehören zur codyschen Konsumtheorie eben auch Fragen wie:

 Bild: Givany Hecht /www.jugendfotos.de
Bild: Givany Hecht /www.jugendfotos.de

Muss ich wirklich heute mit dem Auto einkaufen oder tuts auch das Fahrrad? Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie voll beladen ich teilweise vom Supermarkt nach Hause radle - als hätte ich die berühmten asiatischen Bilder von völlig überladenen Rikschas als Vorbild.

Und wenn ich nun in einer Dönerbude stehe, damit vorbildlich die Integration anderer Kulturen unterstütze, dann aber die (nur auf Arabisch geschriebenen Worte) "selbstverständlich helal" sehe, was ist mir dann wichtiger? Bis jetzt bin ich, auch wenn ich gar keinen Döner essen wollte, wieder aus dem Laden. Religiöses Essen ist mit meinem Gedankengut nicht vereinbar, geschächtetes schon gar nicht.

 

Ökommunaler Kleiderschrank

Eine seltsame Mischung teilt sich meinen Kleiderschrank: Outletcity lässt mich wegen kapitalistischem, menschenverachtenden und umweltzerstörenden Handlungen völlig kalt, wobei die Öko- und Fairtradelabels gerne mit Second-Hand-Klamotten kombiniert werden. Warum? Weil ich ein völlig intaktes Kleidungsstück der letzten Saison durchaus noch tragenswert finde, im Gegensatz zu seinem Vorbesitzer. Immerhin schmeißt er es nicht weg, sondern gibt es ab in den 2. Hand-Shop.

 

Trotzdem kein Loha

 Bild: Harriet Hanekamp /www.jugendfotos.de
Bild: Harriet Hanekamp /www.jugendfotos.de

Egal wie man es dreht und wendet: Im allergrößten Zweifelsfall macht strategischer Konsum auch einen Konsumverzicht aus. So wird sich zum Beispiel niemals ein genmanipuliertes und rechtsorientiertes Müllermilchprodukt in meinen Kühlschrank verirren, geschweige denn wird ein Cent in eine Bildzeitung investiert.
Ich habe als Kind zum Glück nie mit Gewehren und Panzern Krieg spielen dürfen, nicht einmal ein Cowgirl an Fasching war drin. Aufwachsen ohne Waffen, war das Motto. Es hat funktioniert, aber nur weil mir meine Eltern gut darlegen konnten, warum sie sich so entschieden haben. Vermisst habe ich dieses "Spielzeug" nie, auch beneidet habe ich niemanden deswegen.

 

Missionierungshintergrund? Fehlanzeige.

 Bild: dgk Redaktion /www.jugendfotos.de
Bild: dgk Redaktion /www.jugendfotos.de

Werde ich gefragt, warum ich das und das und etwas anderes nicht tue, darf man sich über eine Antwort freuen. Wenn mich keiner fragt, missioniere ich nicht. Dann soll man sich halt wundern.

Ein Freund von mir boykottiert alle Coca- Cola- Produkte. Und wenn er in der Bar deswegen einen Tee trinken muss. Warum verrät er nur, wenn er den Fragesteller für voll nimmt. Zu oft schon wurde er deswegen für verrückt erklärt, als ob so einer wie er da was ändern könnte.

Vegetarier und Veganer können da bestimmt ganze Opernarien von singen - vor allem wenn das durchschnittliche Reaktanzverhalten ihres Gegenübers teilweise wirklich von spektakulärer, beziehungsweise bedenklicher Blödheit zeugt. (Phrasen wie: "Aber wenn du jetzt mit dem Flugzeug auf eine einsame Insel abstürzt und es gar nichts zu essen gibt außer Fleisch, würdest du dann freiwillig verhungern?" sind leider keine Seltenheit...)

So weit ist es für die Durchschnittskonsumenten also schon gekommen. Die Superökos werden langsam aufmüpfig! Das stimmt jedoch nicht ganz: Sie werden nur mehr. Hoffen wir, dass das so bleibt.

Cody grüßt