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Das neue Ei

Bild: Ei mit Nummer 3

Heute habe ich mal was Positives zu berichten: Alles wird gut! Wenn die Verbraucher einfach Mehrheitsentscheidungen treffen würden, wie es hier der Fall war, wäre die Welt bestimmt um einiges besser. Ist ja auch klar, denn der Codynormalverbraucher hat so rein gar nichts von Versprechungen der Industrie, irgendwelchen Steuergeldern und weiteren unterstellten Präsenten. Nein, der Codynormalverbraucher will zu Zeiten eines Lebensmittelskandals einfach nur eins: wissen, was er isst.

Wenn Verbraucher ihre Macht nutzen

Es ist wie so oft: erstmal braucht es ein Skandal. Am besten eines im ganz großen Stil, das am besten noch ganz Europa betrifft. Wie BSE. Die Schweinegrippe. EHEC. Pferdefleisch in Rinderhack.

Am Anfang war das Ei

Bild: Ayla87 / www.sxc.hu
Bild: Ayla87 / www.sxc.hu

Was sonst nur einen Vegi-Hype weniger Wochen ausmacht, hat in Sachen Eierkennzeichnung mal wirklich gut funktioniert. Endlich. Und darum ging es konkret: Die Verbraucher konnten seit 2005 mit der Einführung der Kennzeichnungspflicht bei Eiern entscheiden, was sie wollen und was nicht. Eier mit der Nummer 3 bedeuten seitdem eine Herkunft aus Käfighaltung, mit Nummer 2 Bodenhaltung, mit Nummer 1 Freilandhaltung und Eier mit der Nummer 0 stammen zumindest vergleichend betrachtet von den glücklichsten Hühnern dieser deutschen Version des Kastentums.  

Ei, da sieh an!

Bild: Lusi /www.sxc.hu
Bild: Lusi /www.sxc.hu

Ein Schock für die Legebatterien. Wie, ihr liebt unsere Eier nicht? Wir geben uns doch die größte Mühe mit der Vermarktung idyllischer Bauernhöfe und toller Worte wie”Frischei“ auf der Verpackung! Ist immerhin altbewährt, seit 1950  gibt es Legebatterien, wir wissen doch, was wir tun!

Schade für sie, dass das nun auch jeder andere weiß. Jedenfalls konnte Kunde König durch gezielten Konsumverzicht oder, was in diesem Falle eher Auslöser des Erfolgs war, durch gezieltes Kaufen von Eiern aus anderer Haltungsformen etwas Großartiges erreichen: Macht.

Einbruch des Käfigeiermarktes

Mit ein paar Zahlen auf den Eiern konnten wir allen Tierquälbetrieben zeigen, was wir wollen und was nicht, und sehr viele machten mit. Da brach der Käfigeiermarkt erst mal um 90 Prozent ein. Die hohen Tiere der Politik und Wirtschaft wundern sich: Sind die Menschen tatsächlich noch so helle? Die denken ja noch, wer hätte das gedacht?

Mehr sogar, da die Dreiereier im Supermarkt vergammelten, wurden sie größtenteils aus dem Sortiment genommen, noch vor dem offiziellen Verkaufsverbot 2009. Ein Riesenerfolg für Verbraucher- und Tierschützer! Die Eierlobby tobt! Doch der anfängliche Aufschrei der Eierindustrie über das Käfigeierverbot ab 2009 verstummte prompt, als keiner sie mehr wollte. Ratlosigkeit.

Industrie protestiert: Käfighaltung ist Tierschutz!

Bild: MlkDesign / www.sxc.hu
Bild: MlkDesign / www.sxc.hu

So lange hat das gut funktioniert, natürlich nicht ohne auf wunderschöne Statistiken zu verzichten. Da heißt es zum Beispiel: „Der als nachteilig empfundenen Bewegungseinschränkung der Tiere steht bei diesen Haltungsystemen [der Käfighaltung] aber zweifelsohne auch eine Reihe von Vorteilen gegenüber: Ganzjähriger Schutz der Tiere vor den Unbilden der Witterung, [...] und Schutz der Tiere vor ihren natürlichen Feinden.“ Das haben hochrangige Forscher herausgefunden, die 1972 im Auftrag des Bundeministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten über „tierschutzgerechte Haltung von Nutzgeflügel in neuzeitlichen Haltungssystemen“ ordentlich im Euphemismuswörterbuch geblättert haben. Käfighaltung ist Tierschutz!

Ich wollt‘ ich wär ein Huhn!

Die armen Hühner sind ja geradezu zu beneiden! Ich will auch im Käfig gehalten werden! Rundumbetreuung, ein gemütlicher Tag, keine Hitze im Sommer, keine Erfrierungen im Winter, essen, wann ich will, alle meine Freunde sind immer ganz nah bei mir, und alles, was ich dafür tun muss ist vergleichbar mit aufs Klo gehen- das mach ich sowieso jeden Tag. Ich muss mich gar nicht bewegen, warum sollte ich es dann tun wollen? Man fühlt sich bestimmt wie ein König, da ist es doch egal, ob ich echte Sonne habe oder ein Neonlicht, außerdem ist der Tag ja eh nur 12 Stunden lang.

Möblierte Kleingruppenhaltung – Die Hennen-WG

Also wirklich, ich wollt ich wär ein Huhn! Die Verlierer bei der ganzen Geschichte: gibts nicht. Die Käfighaltung ist einfach umbenannt worden und heißt nun möblierte Kleingruppenhaltung. Haben die Hühner da jetzt Sofas für ihre Gackerteetime? Etwas größer sind sie ja auch, doch irgendwie immer noch nicht so komfortabel. Papa Politik hat Respekt gekriegt vor Herrscher Konsument und beschlossen, dass auch möblierte Kleingruppenhaltungs-Eier nur mit einer 3 bestempelt werden dürfen.

Fazit: Wir können mehr als wir denken. Aber Juche und Juhei zum Trotz, alles können wir bei weitem nicht. Denn bis jetzt steht Deutschland mit Österreich und der Schweiz allein vor dem geschlossenen Hühnerstall. Seit 2012 ist in allen EU-Ländern die Dreieiproduktion verboten. Klingt ganz gut, doch man hat nicht mit der Dreistigkeit der Regierung gerechnet: Sie unterstützt nach Angaben von tierschutzbüro.de Legebatterien in der Ukraine. Trotz allem Wirbel landen damit höchstwahrscheinlich wieder Qualeier in unseren Bäuchen: in Nudeln, Kuchen, Süßkram. Und das in Discountprodukten wie in sauteuren Markenprodukten gleichermaßen – von den industriell unbrauchbaren zu Millionen gehäckselten männlichen Kücken mal ganz zu schweigen.

Wie wäre mit Kennzeichnungsstempeln auf Mayonaise und Dickmanns? - Schwuppdiwupp, würden Storck, Kraft und Co. auf Käfigeier verzichten müssen.

Müssen tut aber auch außerhalb der ganzen Lebensmittelskandale jemand: Jeder Konsument muss wissen WOLLEN, was er isst. Nur dann kann er was bewegen.

Am Anfang war das Ei – Käfighaltung gibt es auch bei Schweinen, Rindern, Schafen, Hähnchen und Fischen. Oder in eurer Welt: bei Schnitzeln, Steaks und Co. Liebe Konsumenten, bringt eure Macht auch zu Ende!

 

Cody grüßt.

 

Hinweis: Alle Bilder von Tieren in Käfighaltung stammen von www.peta.de. Eines davon wurde übrigens in einem zertifizierten Biobetrieb aufgenommen.