Eine Strecke, eine Cody, drei Emotionen

Ein Arbeitsweg, drei Versionen. Bei Cody auf der Rückbank Teil 1
Bild: Flo Bauder / www.jugendfotos.de

Dass ich mich gerne mit Alltäglichem beschäftige, wisst ihr ja mittlerweile. Und auch heute wollte ich einfach mal etwas in die verdiente Szene setzen, was zwar sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, aber trotzdem eher vergessen wird. Klar, nicht jeder würde jetzt eine simple Autofahrt zur Arbeitsstätte als Bereicherung einstufen (und noch weniger als kreativen Schreibinhalt), aber ihr kennt doch Cody.

 

Eine Strecke, drei Tage, drei Codys, drei Emotionen

Die Stimme erhält also in dieser und der folgenden CBCs: Drei Codys - auf dem Weg zur Arbeit. Mag die Route auch jeden Tag gleich sein – Codys Stimmung ist es nicht. An drei verschiedenen Tagen auf der gleichen Strecke hat sie mal den Sinn fürs Wesentliche, mal blickt sie durch die rosarote Brille und natürlich lässt sich unsere Lieblingscody auch mal ganz schnell auf die Palme bringen.

Ihr seid also eingeladen: Setzt euch auf Codys Rücksitz und erlebt unsere Kolumnenqueen und ihre Emotionen hautnah mit!

 

Teil 1. Durch die Stadt und auf die Schnellstraße: Die ersten Kilometer

Die Fahrt neutral betrachtet - mehr nicht.

Ein Arbeitsweg, drei Versionen. Bei Cody auf der Rückbank Teil 1.1 - alles ganz neutral hier.
Bild: Hannes Föst / www.jugendfotos.de

Den Weg zur Arbeit könnte mein Auto eigentlich auch alleine finden: Er führt an einer Grundschule und einem Supermarkt vorbei, um welche Mütter und Väter hirtengleich ihre Kinderherden vor sich her treiben. Stets hat diese Spezies ihren Nachwuchs im Blick, auch wenn sie nebenher noch Rucksäcke, Jacken und den Einkauf auf dem Rücken und in den Armen balanciert. Ein paar Meter weiter sind um diese Uhrzeit meist Senioren anzutreffen, die nach ihrem Frühstück ein bisschen Gesellschaft im Supermarkt suchen.

 

Als Autofahrer hat man hier gleich zwei Ampeln in Sichtweite, die ihn je nach Verkehrs- und Fußgängeraufkommen entweder zum Anhalten oder zur Durchfahrt animieren. Danach bietet eine Tankstelle noch eine letzte Chance, vor der Schnellstraße den Tank zu füllen, und dann liegt auch schon die Abbiegung auf die Selbige vor ihm. Diese Richtung muss bis zur Ausfahrt der Arbeitsstätte nicht mehr verlassen werden, was je nach Verkehrsaufkommen bei stetem Tempo selten mehr als 20 Minuten in Anspruch nimmt.

 

Die Fahrt mit einer Furie – Cody auf 180

Ein Arbeitsweg, drei Versionen. Bei Cody auf der Rückbank Teil 1.2 - die Fahrt mit einer Furie
Bild: Jennifer Fix / www.jugendfotos.de

Das darf doch mal wieder nicht wahr sein! Wie blöd kann man eigentlich auch sein? Das sind bestimmt diese Klischeeeltern, die man in die niederste soziale Schublade steckt, und dann auch noch so tief hinein, dass sie nur ganz knapp an der Grenze zu sozial sind, und nicht gleich als animalisch eingestuft werden.

Da ist doch gerade diese aufgeblondete Tussi, deren billige Aufmachung sogar ich erkenne, einfach so mal eben auf die Straße marschiert! Rennt mir direkt vor die Karre! In ihren bestimmt zehn Zentimeter langen Fingernägeln krallt sie die Hand ihres Sohnes, der bestimmt gute Chancen bei „Germanys next Macho“ hat. Da braucht man sich um die Hintergründe des Pisatests wirklich nicht wundern. Perplex wie ich bin, vergesse ich nach meiner Vollbremsung auch noch zu hupen.

Da der Weg nicht nur die Schule (der Mini-Macho könnte sich seine Zeit an der Schule bestimmt sparen, aus dem wird nie was), sondern auch noch ein Supermarkt kreuzt, war ja klar, dass jetzt noch so eine alte Oma die Gunst der Stunde nutzt, um ihrerseits auf die andere Straßenseite zu schleichen, voll gepackt mit Kukidents und Haferbrei. Kaum habe ich wieder den ersten Gang eingelegt, komme ich wieder zum Stehen, weil sich ein paar fortgeschrittene Erstklässler an die Regeln halten und die Autoampel dazu zwingen, auf rot zu schalten. Zwanzig Meter weiter das gleiche Spiel. Warum gehen die nicht einfach außenrum? Wenn ich aber schon mal so sinnlos an der Ampel stehe, kann ich ja auch gleich mal checken, was die aktuellen Benzinpreise so machen. Hätte ich das nur gelassen! Bei dem Preis kann man sich ja bald ’nen Hubschrauber samt Chauffeur leisten, wenn man aufs Auto verzichtet!

 

Die Fahrt- Eine wunderschöne Bereicherung im Leben eines fleißigen Arbeiters. (oder: Weniger rosarote Brillen, bitte!)

Ein Arbeitsweg, drei Versionen. Bei Cody auf der Rückbank Teil 1.3 - eine wunderschöne Bereicherung im Leben eines fleißigen Arbeiters
Bild: Carsten Jacobs / www.jugendfotos.de

Die lieben Kleinen sind wirklich beneidenswert. Schon so früh am Morgen sprühen sie vor Energie, wirbeln ihre lustig bunten Turnbeutel durch die Luft, strecken vorbildlich ihre Ärmchen am Straßenrand aus um mir zu zeigen, dass sie, sobald meine Ampel rot zeigt, die Straße zur Schule überqueren möchten, natürlich nicht ohne vorher noch nach links und rechts zu sehen. Gerne halte ich an, und winke den zwei Mädels und deren Mamas zurück, als diese sich freudig für mein Anhalteverständnis bedanken. Kaum ist die Ampel wieder grün, werde ich Zeuge einer guten Tat eines etwas älteren Schülers: Der Junge hat wohl einer alten Seniorin mit Gehwägelchen angeboten, ihre etwas zu üppig ausgefallenen Einkäufe des benachbarten Supermarktes zu tragen. Natürlich halte ich an, als die beiden etwas länger brauchen, um die Straße zu überqueren.

Da es die hiesige Stadt mit den Verkehrsampeln vielleicht etwas zu gut gemeint hat, komme ich bei dem nächsten Rot dazu die ersten Frühlingsboten zu bestaunen. Gelb blüht es neben der Tankstelle. Da fällt es mir leicht mir den Blick auf den Spritpreis zu ersparen. Ich drehe mein Radio auf und erfreue mich an einem tollen Lied.

 

Nächstes Mal erwartet euch: Drei Versionen vom 2. Streckenabschnitt: Von überfahrenen Tieren, Schleichern auf der Straße und Polizeikontrollen…