Eine Strecke, drei Emotionen Teil II

Bild: Stefan L. / www.jugendfotos.de
Bild: Stefan L. / www.jugendfotos.de


Teil 2! (Hier gehts zu Teil 1 und zur Erklärung)

Immer nur geradeaus, macht `ne gute Strecke aus – aber wehe, ein LKW hält den Verkehrsfluss auf...

 

 

Langsame LKW, überfahrene Tiere und Gedenkkreuze

Bild: Flo Bauder / www.jugendfotos.de
Bild: Flo Bauder / www.jugendfotos.de

Hin und wieder stellen sich dem Verkehrsteilnehmer Hindernisse jeglicher Art in den Weg. Diese können entweder von rein verkehrstechnischer Natur sein (wie zum Beispiel extralange, extrabreite oder ungünstig beladene Lastkraftwägen), ängstliche, gemütliche oder ungeübte Genossen in anderen Kraftfahrzeugen, seltsame Gefährten wie schnellere Mopeds oder alte Traktoren, oder auch ein simples Kraftfahrzeug sein, das aufgrund fehlender Fahrtüchtigkeit das Verkehrsaufkommen negativ beeinträchtigt und seine "Artgenossen" zu kilometerlangem Gruppenkuscheln zwingt.

Auch psychische Aspekte müssen bei einer Autofahrt überwältigt werden: So haben zum Beispiel Gedenkkreuze für im Straßenverkehr gestorbene Mitmenschen mitunter negative Auswirkungen auf das Wohlergehen des Fahrers. Neben der bloßen Erinnerung an das Opfer eines Unfalls dienen diese Gedenkstätten ebenfalls als Warnung an die Passierenden, welche mit eingravierten Fragen wie "Warum?" oder aufklärenden Aussagen zum Unfallhergang, beispielsweise „Unschuldig wegen Geisterfahrer unter Alkoholeinfluss gestorben“ auf die verschiedensten Risiken im Straßenverkehr hingewiesen werden. Gegebenenfalls wird man Zeuge eines selbstmordgefährdeten Tieres. Nichts, oder zu viel ahnend hüpfen die Vertreter der tierischen Spezies über die Straße, ohne zu wissen, dass sie nicht nur den Straßenverkehr, sondern auch sich selbst gefährden. Auch im überfahrenen Zustand bietet ein Tierkadaver dem Fahrzeugfahrer keinen rechten Schutz: Gerade Motorradfahrer haben ihre Probleme mit der zuverlässigen Bodenhaftung auf den Resten eines überfahrenen Mitgeschöpfes.


Dämliche Schleicher, platte Viecher und Grabschleicher

Bild: Victor Höller / www.jugendfotos.de
Bild: Victor Höller / www.jugendfotos.de

Nichts wie weg, zum Glück habe ich noch genug Sprit im Tank. Endlich kommt die Abbiegung, die mir den restlichen Weg zur Arbeit einfach macht: Immer nur geradeaus. Leider wird das heute aber auch nichts. Gleich nach der ersten Auffahrt habe ich einen lahmen LKW vor der Nase, der vor jeder Kurve so stark in die Eisen tritt, dass er bestimmt wöchentlich neue Bremsbeläge braucht. Als die Strecke endlich zweispurig wird, kann ich zwar Gas geben, holpere aber erstmal über ein totgefahrenes Tier, das wohl mal ein Fuchs war. Das Vieh liegt schon seit Tagen da! Kann das denn mal niemand von der Fahrbahn kratzen, bitte? Endlich läuft die Sache, ich kann mich gemütlich zurücklehnen und finde mein Tempo. Fehlt nur noch gute Musik. Doch egal wie konfus ich am Radioknöpfchen drehe, es kommt nur Quatsch, Gelaber und Werbung. Scheiß auf das Radio, die gute alte CD muss her! Aber die ist in meinem Tempo nicht so einfach von der Rückbank zu angeln, deshalb bleibe ich lieber bei Sarah Connor. Nicht nur die LKWs, auch die anderen Fahrzeugfahrer machen es sich hier gemütlich und bewundern wie die Touristen jedes Gedenkkreuz am Straßenrand, legen wahrscheinlich noch eine Gedenkminute ein, während sie daran vorbeischleichen, so langsam wie die sind.

 

Gemütliche Schnittblumenlastwägen, flauschiger Straßenbelag und bunte Denkmäler

Bild: Jonas Walzberg / www.jugendfotos.de
Bild: Jonas Walzberg / www.jugendfotos.de

Laut "sweet home Alabama" grölend (es hört mich zum Glück niemand) kuschele ich mich gemütlich hinter einen LKW, der laut seinem bunten Aufdruck in einer fremden Sprache für Obst und Schnittblumen wirbt, sofern ich das abgebildete Obst und die ebenfalls dort befindlichen Schnittblumen als solches deuten kann. Der Verkehr um mich herum scheint es weniger gemütlich zu haben. Hinter mir drängelt ein dicker BMW samt darin sitzenden Anzugträger so sehr, dass der Arme schon eine ganz rote Birne bekommt. Vielleicht hat er seine Krawatte etwas zu eng gebunden...

"Sweet home Alabama" ist vorbei, die Radiomoderatoren prophezeien ein wunderschönes Wetter mit idealen Temperaturen, was will man mehr? Als die Straße zweispurig und somit in einem schnelleren Tempo befahrbar ist, braust der snobistische BMW an mir vorbei, und auch ich beschließe, meinen kurzfristigen Weggefährten samt Obst und Schnittblumen zu verlassen. Leider rumpele ich wie fast jeden Tag über eine totgefahrene Seele, deren Schicksal es vorsah, als hauchdünner Flauschteppich eines Betonbodens zu enden. Wieder ein Opfer des täglichen Verkehrs, auch wenn man sich bei den vielen Erinnerungskreuzen, die hier fast schon in regelmäßigen Abständen stehen, weitaus mehr Mühe gemacht hat. Der Name des Toten ist genauso ersichtlich wie der wundervolle Blumenschmuck und die Gedächtniskerze, was mir als Beweis dient, dass diese Person ein guter Mensch gewesen sein muss.

Dieses war der zweite Streich... In der kommenden CBC erwartet euch: Drei Versionen vom 3. und letzten Streckenabschnitt - von Fernweh (oder auch nicht) und Polizeikontrollen…