Die Zeit-Lüge

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Bild: "Frieder Knabe" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Seit ich relativ viel Zeit habe, höre ich kaum einen Satz öfter: "Ich habe keine Zeit!". Ich habe keine Zeit für ein Treffen, ich habe keine Zeit ein gutes Buch zu lesen, ich habe keine Zeit für nix. Dieser arme beschäftigte Jemand - da bekommt man ja fast Mitleid!

 

Jeder hat 24 Stunden

Was mich daran stört? Dieser negative Unterton. Immerhin hat für jeden der Tag 24 Stunden. Und jeder hat es in unseren Breitengraden mehr oder weniger selbst in der Hand, wie er diese 24 Stunden ausfüllt. Sagt ein jemand, dass er "keine Zeit" für irgendetwas hat, ignoriert er damit gleichzeitig, dass er stattdessen Zeit für etwas anderes hat. Und wie das immer so ist, muss ich mir da auch selbst an die Nase fassen. Ich könnte jetzt hier bestimmt mindestens fünf Ereignisse nennen, denen ich nicht beiwohnen konnte. WARUM ich das nicht konnte bzw. was ich stattdessen zur Zeit des Ereignisses tat, weiß ich jedoch nicht mehr. Vielleicht habe ich gearbeitet (Zeit ist schließlich Geld!) oder gelernt oder Kehrwoche gemacht, vielleicht aber hatte ich auch eine "andere" schöne Zeit in der Zeit, in der ich keine Zeit hatte.

 

Die Wahre Einheit der Zeit: Priorität

Und da wird schnell klar: Die eigentliche Maßeinheit für die Zeit ist nicht in Stunden und Minuten zu messen, sondern in Prioritäten. Ich hatte meine Priorität bei dem und dem Ereignis auf etwas anderes gelegt. Das war vielleicht auch toll, oder eine Notwendigkeit oder eine tolle Notwendigkeit, oder was auch immer.

 

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Bild: "Rona Keller" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nd)

Ein Beispiel: Ich hatte in den letzten Wochen wenig Zeit um meinen Blog mit neuen Texten zu füttern. Ha! Von wegen! Ich hatte keine Lust. Einfach keine Lust. So! Dank dem kleinen neuen Menschen in meinem Leben? Auch. Dank so vielen neuen Aufgabenbereichen im Ehrenamt? Auch. Dank dem Luxus, auch einfach mal nichts zu tun, um sich zu entspannen? Auch. Ihr seht: Mein kleines Architexturbüro ist derzeit nicht weit oben in meiner Prioritätsliste. Das raubt mir wahrscheinlich jetzt sämtliche Blogger-Anerkennungen und Jobangebote, aber so ist es nun mal. Das war es übrigens auch letztes Jahr. Und danach ging es mit dem Schreiben wieder richtig gut.

 

Sündenbock Zeit

So einfach ist das. Ich rede mir nicht weiter ein, dass ich keine Zeit für irgendwas habe. Das hat nur einen negativen Unterton und zieht runter. Sehen wir es einfach mal positiv und schwupp sieht das alles etwas anders aus, nämlich so: Ich habe mich dazu entschieden, stattdessen etwas anderes zu machen. Und dann von mir aus noch ein "weil,...". Das wäre fair. Gegenüber der Zeit.