Mein neuer Freund Tolino

 Bild: Julien Christ / www.pixelio.de
Bild: Julien Christ / www.pixelio.de

Ich habe einen neuen Freund. Er ist der perfekte Traummann: gutaussehend, immer an meiner Seite und vor allem sehr belesen. Die Rede ist nicht etwa von Mr. Perfect himself, sondern von Tolino, das großbuchhändlerische Pendant zum Anti-Vorbild Kindle des Internet-Riesen Amazon. Ein Ebook-Reader? Ich? In der Tat - unsere ersten Schritte waren nicht immer einfach...

 

Born to read

Bild: Jennifer Serabian / www.jugendfotos.de
Bild: Jennifer Serabian / www.jugendfotos.de

Ich lese - ähnlich dem Schreiben - seit ich es kann. Angefangen mit der kleinen "Raupe Nimmersatt" und dem "Traumfresserchen" las ich mich durch (ungelogen) hunderte "Lustige Taschenbücher" (teilweise noch in schwarz-weiß), arbeitete mich dann hindurch zu Romanen wie "Hanni & Nanni" (wollte danach unbedingt eine Zwillingsschwester und in ein Internat) sowie sämtliche Geschichten von Thomas Brezina (vor allem "7 Pfoten für Penny" und "Die Knickerbockerbande") und begann auch recht früh mit hundertseitigen Schock-Thrillern, beispielsweise von Steven King. Da ich keine Geschwister habe, wurden Bücher besonders in den ruhigen Wintermonaten zu meinen engsten Freunden. Erst die Uni gewöhnte mir das Lesen mitte der 2000er ab, bis zum Glück von Biggi von der "Bibliothek der vergessenen Bücher" meine Leseleidenschaft wieder weckte.

 

Wozu denn bitte ein Ebook-Reader?

Bild: Fatima Bajramovic / www.jugendfotos.de
Bild: Fatima Bajramovic / www.jugendfotos.de

Angesichts dieser literarischen Vorgeschichte würde ich mich definitv als konservativen Bücherleser bezeichnen. Bis ich Tolino kannte, war ich ein großer Gegner dieses angeblichen Lesefortschritts. Genau wie viele andere Leseratten finde ich auch heute noch, dass ein Buch ein Einband, möglichst viele Papierseiten und ganz besonders viel Druckerschwärze haben muss. Zudem galt es noch zu beweisen, dass sich meine Eigenschaft als Onlineredakteurin nicht nur darin widerspiegelt, ausschließlich mit digitalem Text zu arbeiten. Ja, es schien geradezu ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, dass man in diesem Berufsstand nicht so altmodische Bücher liest, sondern standesgemäß auf Ebookreadern readet- was ich mit meinem Echtbuchfaible vehement zu widerlegen versuchte.

Liebe auf den ersten Blick

Bild: Architexturbüro

Dennoch war die Neugierde auf das technische Lesegerät groß - was nach sehr langem hin und her und für und wider dazu führte, dass ich nach über 25 Jahren mit "Papierbüchern" einen - meinen! - eigenen Ebookreader in der Hand hielt. (Okay, ich bekam ihn geschenkt, sonst würde ich mich wahrscheinlich noch heute dagegen wehren...). Die Macher von Tolino haben es mir und allen anderen Käufern sehr einfach gemacht: Psychologisch wertvoll scheint penibel darauf geachtet worden zu sein, das Gerät so menschlich wie möglich rüberkommen zu lassen. Das fängt schon beim menschlichen Namen Tolino an und endet spätestens bei seinem "Gesicht", das immer erscheint, wenn der Reader im Standbye-Modus ist (oder wie es Tolino selbst sagt: "Psst! Tolino schläft...!" - ein süßes Kerlchen).

 

Tolino und ich

Bild: Rike / www.pixelio.de
Bild: Rike / www.pixelio.de

An das erste Kennenlernen kann ich mich noch gut erinnern. Als Tolino zu mir kam, hatte er von Haus aus schon fünf Bücher geladen, von dem her konnte ich gleich loslesen. Besonders ungewohnt war am Anfang die Tatsache, dass man nicht "wirklich" blättern kann und eher wie beim surfen im Internet schnell hektisch über die Seiten fliegt. Ich hatte vorher gar nicht bemerkt, dass ich hin und wieder ein paar Seiten vorgespickelt und dann wieder zurück zum Ausgangspunkt gekommen war. Dazu kam, dass Tolino im Gegensatz zu einem normalen Printbuch eine ganz andere Form hat, und deswegen komplett anders gehalten werden muss. Auch heute noch habe ich mich an die fehlende 2. Hälfte noch nicht so ganz gewöhnen können.

 

Warum der Kerl so toll ist

Bild: Architexturbüro

Abgesehen davon bin ich hin und weg von Tolinos positiven Eigenschaften. Niemals hätte ich gedacht, dass das Licht eines Ebookreaders so angenehm sein kann, und das nicht nur im Dunkeln. Eigentlich lese ich nur noch mit Schriftbeleuchtung, egal ob es um mich herum dunkel oder hell ist. Im Dunkeln zu lesen ist generell auch etwas, was ich nicht mehr missen möchte: Besonders beim Autofahren, in der Dämmerung im Pferdestall oder abends im Bett ist der Shine-Modus unschlagbar (okay, im Stall sind die Fliegen, die von dem Licht angezogen werden, etwas lästig). Außerdem ist Tolino trotz der vielen Bücher auf ihm sehr leicht und passt gut in die Handtasche - ist also immer dabei, ohne dass sich Seiten knicken können oder ähnliches. Was mir aber besonders auffällt: Ich lese mit Tolino mindestens doppelt so schnell im Vergleich zu einem gedruckten Buch. Und das ist toll! Da man unbekannte Wörte schnell im Duden nachschauen und spannende Textpassagen einfach markieren und herausspeichern kann, entfallen auch zwar bewährte, aber unschöne Impro-Lesezeichen aus Papierfetzen und Memos - was bei den hunderten Büchern, die sich auf Tolino speichern lassen auch ziemlich schnell im Chaos enden würde...

 

Wenn in der spannendsten Minute der Akku blinkt...

Bild: Lukas Haburo / www.jugendfotos.de
Bild: Lukas Haburo / www.jugendfotos.de

Ja, es gibt sie auch hier, diese Schrecksekunde: dem Mörder im Krimi dicht auf den Fersen - und dann ist der Akku leer! Kam bei mir zum Glück noch nicht vor, ist aber eine meiner größten Befürchtungen, wenn ich mit Tolino und ohne Ladegerät über längere Zeit das Haus verlasse. Dann werde ich immer schnell daran erinnert, was Tolino wirklich ist und worum es hier eigentlich wirklich geht: Tolino ist ein Ebook-Reader, kein Buch. Diesen auf den ersten Blick eher kleinen Unterschied kann - und muss - man einfach akzeptieren.